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Wiesenpflege in Streuobstbeständen: Welche Technik schützt die Natur am besten?
Balkenmäher, Mulcher oder Rasenmäher? Die Wahl der Mähtechnik entscheidet auf der Streuobstwiese über Leben und Tod von Insekten und Pflanzen. Eigentum bedeutet Pflicht zur Pflege. Doch wie pflegen Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter ihre Streuobstflächen fachgerecht? Ein Informationsblatt der Stadt Großbottwar liefert konkrete Antworten und bewertet verschiedene Motorgeräte im Hinblick auf den Naturschutz.
Die Rückkehr zur Tradition
Unsere Streuobstwiesen entstanden durch eine jahrhundertelange traditionelle Mehrfachnutzung. Bäuerinnen und Bauern mähten die Wiesen früher zweimal im Jahr und gewannen so Heu und Futter für das Vieh. An diesen Rhythmus passten sich Flora und Fauna perfekt an. Die schonendste Pflege ahmt dieses Vorgehen exakt nach. Der klassische Balkenmäher schneidet das Gras linear ab und fährt langsam. So fliehen Insekten, Amphibien und Kleinsäuger rechtzeitig vor dem Gerät. Räumen Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter das Schnittgut anschließend ab, entziehen sie dem Boden Nährstoffe. Der Boden hagert aus. Das fördert lichtbedürftige Kräuter und bewahrt die beeindruckende Pflanzenvielfalt auf der Wiese.
Vorsicht bei Mulcher und Motorsense
Mulcher und Rasenmäher bewirken das Gegenteil. Der Mulcher zerkleinert das Gras mit rotierenden Werkzeugen großflächig. Das verletzt oder tötet einen großen Anteil der Wiesenbewohner. Da das Schnittgut auf der Fläche verbleibt, reichert sich der Boden weiter mit Nährstoffen an. Noch stärker zerstört der klassische Rasenmäher oder Aufsitzmäher den Lebensraum. Tiefe Schnitte und das sehr häufige Mähen verdrängen wertvolle Wiesenarten komplett. Zurück bleiben artenarme und monotone Grünflächen. Motorsensen oder Freischneider nehmen in der Gesamtbewertung eine Mittelstellung ein. Sie bergen durch die rotierenden Messer ebenfalls Gefahren für die Tierwelt. Dennoch leisten sie bei steilen, unzugänglichen Hanglagen für Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter eine wertvolle Arbeit.
Fünf Tipps für eine artenreiche Wiese
Unabhängig vom eingesetzten Gerät verhelfen einfache Handgriffe der Streuobstwiese zu mehr Artenvielfalt. Hierbei gilt: Der Fokus liegt auf Naturschutz:
- Schnitthöhe anpassen: Mähen Sie mindestens acht bis zehn Zentimeter hoch. Das schont die Sprossbasis der Pflanzen und schützt Kleintiere direkt am Boden.
- Spät mähen: Belassen Sie es bei maximal zwei Schnitten im Jahr. Der erste Schnitt erfolgt idealerweise erst Mitte oder Ende Juni. So reifen die Samen der Wiesenpflanzen in Ruhe aus.
- Mähgut ruhen lassen: Räumen Sie das Gras erst nach ein bis zwei Tagen ab. Die Samen fallen in der Zwischenzeit aus und Insekten wandern ungestört ab.
- Kluges Mähmuster: Mähen Sie Ihre Wiesenflächen von innen nach außen oder in Streifen. So treiben Sie die Tiere nicht in der Mitte zusammen, sondern ermöglichen ihnen die sichere Flucht an den Rand.
- Altgrasstreifen stehen lassen: Lassen Sie Randbereiche absichtlich bis ins nächste Jahr ungemäht. Diese Streifen dienen als überlebenswichtige Rückzugsorte für Tiere im Winter.
Dank an die Stadt Großbottwar
Wir danken der Stadtverwaltung Großbottwar und insbesondere Dr. Ulrich Grunicke herzlich. Er erstellte dieses aufschlussreiche Informationsblatt zur Wiesenpflege. Zudem erlaubte er uns erfreulicherweise sofort, diese Erkenntnisse in den Streuobst-News mit Ihnen allen zu teilen. Sie haben weitere Meinungen und Informationen rund um die Wiesenpflege in Streuobstwiesen? Melden Sie sich gerne bei kontakt@hochstamm-deutschland.de
Kontakt und Quellen
Ulrich Grunicke (2021): Information Wiesenpflege in Streuobstbeständen mit Motorgeräten. Großbottwar: Stadt Großbottwar. Online unter: https://www.hochstamm-deutschland.de/files/hochstamm/fachinformationen/Information%20Wiesenpflege%20in%20Streuobstbest%C3%A4nden%20mit%20Motorger%C3%A4ten%20Mai%202021.pdf
Stadtverwaltung Großbottwar
Bauamt – Ökologie/Landschaftspflege
Dr. Ulrich Grunicke
Marktplatz 1
71723 Großbottwar
E-Mail: grunicke@grossbottwar.de