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Weltweite Meta-Analyse belegt: Pflanzenvielfalt stärkt die biologische Schädlingskontrolle
Eine weltweite Großstudie im Fachjournal Science Advances belegt mit Daten aus 149 Feldstudien, dass eine höhere Pflanzenvielfalt die Aktivität natürlicher Gegenspieler von Schädlingen maßgeblich verstärkt. Weshalb Nützlinge in diversen Ökosystemen die Oberhand gewinnen und welche wertvollen Erkenntnisse sich daraus für die Praxis auf der Streuobstwiese ableiten lassen, zeigt dieser Artikel.
Methoden: weltweite Daten zusammengebracht
Hinter der internationalen Veröffentlichung steht ein Forschungsteam unter der Leitung der East China University of Science and Technology in Shanghai und des Leibniz-Instituts zur Analyse in Bonn, gemeinsam mit über 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit. Die Forschenden trugen in der Metaanalyse Rohdaten aus insgesamt 149 Feldstudien an 214 Versuchsstandorten in 27 Ländern auf fünf Kontinenten zusammen. In die Analyse flossen unter anderem bedeutende Langzeitexperimente zur Biodiversität ein, darunter das Jena-Experiment in Deutschland und das Cedar-Creek-Projekt in den USA für das Grünland sowie großflächige Waldexperimente in China. Die Datenbasis unterteilte sich in 55 Untersuchungen im ökologischen Landbau, 49 im konventionellen Landbau, 26 im Grünland und 19 in Wäldern. Im Grünland und in den Wäldern stammten die Daten sowohl aus experimentell verwalteten Versuchen als auch aus Beobachtungsstudien auf natürlichen Flächen.
Auf den Versuchsflächen analysierten die Forschenden das Zusammenspiel von Pflanzen, Schädlingen und deren Fressfeinden. Sie bestimmten die Pflanzengesundheit anhand von Wachstum, Ertrag und Abwehrstoffen. Die Leistung der Pflanzenfresser maßen sie über deren Artenzahl, Häufigkeit und die entstandenen Fraßschäden.
Ergebnisse: Top-Down-Kontrolle im Kulturland und Bottom-Up in Wiese und Wald
Die Auswertungen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Ökosystemen. Auf landwirtschaftlich genutzten Kulturflächen bewirkt eine erhöhte Pflanzenvielfalt eine ausgeprägte Top-Down-Kontrolle. Das bedeutet, dass der Anstieg der Pflanzenartenvielfalt die Anwesenheit und Leistung natürlicher Feinde so stark fördert, dass Schädlingspopulationen wirksam eingedämmt werden. In ökologisch bewirtschaftetem Kulturland stieg das Verhältnis von Nützlingen zu Schädlingen durch die erhöhte Pflanzenvielfalt um durchschnittlich 846 %, während in konventionellem Kulturland ein Anstieg um 148 % verzeichnet wurde. In der Folge verringerte sich die Beeinträchtigung durch Schädlinge auf Bio-Kulturflächen um 40,1 % und auf konventionellen Flächen um 30 %. Die Nützlinge profitieren in artenreicheren Pflanzengemeinschaften von einem verbesserten Angebot an alternativer Nahrung wie Pollen oder Nektar sowie von Schutzräumen und chemischen Reizen, was ihre Fortpflanzung und Räuberleistung stärkt.
Im Gegensatz dazu dominiert in artenreichen Wiesen und Wäldern ein sogenannter Bottom-Up-Effekt. Hier kurbelt die Pflanzenvielfalt primär die pflanzliche Produktivität und Biomasse an, was in erster Linie zu einem Anstieg der Pflanzenfresser führt. Im Grünland stieg die Abundanz der Pflanzenfresser bei höherer Pflanzenvielfalt um 76,8 % und in Wäldern um 58,2 %. Die Populationen der natürlichen Feinde folgten diesem vergrößerten Nahrungsangebot zeitversetzt mit einem Zuwachs von 17,2 % im Grünland und 15 % in Wäldern, wodurch das Verhältnis von Nützlingen zu Schädlingen in diesen natürlichen Systemen weitgehend stabil blieb.
Was bedeutet das für Streuobstwiesen?
Auch wenn „Streuobst“ in der Meta-Analyse nicht genannt wird, da die weltweiten Daten in die Hauptkategorien Kulturland, Grünland und Wald unterteilt sind, sind Obstbausysteme in der Studie berücksichtigt. Obstplantagen sowie Obstgehölze wie Apfel und Birne wurden in der Datenbasis dem Kulturland bzw. den Holzgewächsen zugerechnet.
Für den Streuobstbau lässt sich vermuten, dass sie als vielschichtige Agroforstsysteme die Eigenschaften von Gehölzstrukturen und artenreichem Grünland miteinander vereinen. Auf der Wiesenfläche kurbelt eine hohe Pflanzenvielfalt die Produktivität des Untergrases an und schafft ein reichhaltiges Nahrungsnetz. Vielfalt in den Baumbeständen sorgt wiederum für eine gezielte Förderung von Nützlingen, welche Schädlinge wirksam unterdrücken. Die Studienergebnisse bestätigen somit wissenschaftlich die langjährige Praxis im Streuobstbau: Artenreiche Wiesen, artenreiche Gehölzränder und Blühstreifen etablieren eine dauerhafte biologische Schädlingsregulierung ganz ohne den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel.
Zur Studie
Wan, N.-F. et al. (2026): Plant diversity modifies multi-trophic interactions in
croplands, grasslands and forests. Science Advances 12 (30). DOI: 10.1126/sciadv.aeb8680