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Was macht der Bundesverband der Deutschen Klein- und Obstbrenner?
Die rund 24.000 deutschen Kleinbrennerinnen und Kleinbrenner sind weit mehr als Genusshandwerkerinnen und -handwerker - sie sind Partner für den Erhalt von Streuobstwiesen. Doch wie genau funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Baum und Brennkessel und wo können bewirtschaftende Personen ihr Obst abgeben? Wir geben Einblick in die Arbeit des Bundesverbandes der Deutschen Klein- und Obstbrenner e.V. (BDKO).
- Der Verband: Bundesverband der Deutschen Klein- und Obstbrenner e.V., Geschäftsführerin Silke Eckert-Lion
- Die Mission: 24.000 Kleinbrenner in Deutschland vertreten und die handwerkliche Brennkunst ins Rampenlicht bringen
- Das Interview führte (schriftlich): Sophia Philipp
SN: Um unsere Leserschaft abzuholen: Was genau verbindet den BDKO und die rund 24.000 von Ihnen vertretenen Kleinbrennerinnen und Kleinbrenner mit dem Thema Streuobst?
BDKO: Die Streuobstwiesen sind für die landwirtschaftlichen Abfindungsbrenner eine der Rohstoffquellen. Die Grundlage des handwerklichen Schaffens. Aus Äpfeln, Birnen, Zwetschgen, Kirschen oder Mirabellen von Streuobstbeständen entstehen viele der regionaltypischen Brände und Geiste für die Deutschland bekannt ist.
SN: Was genau macht der BDKO?
BDKO: Wir vertreten die Interessen von ca. 24.000 Klein- und Obstbrennern in Deutschland. Als Dachverband von acht Landesverbänden setzen wir uns bei den Gesetzgebern bei Land, Bund und der Europäischen Union für die Erhaltung dieses Erwerbszweiges der landwirtschaftlichen Betriebe ein. Seit diesem Jahr unterstützen wir in Online-Seminaren zum Abfindungsbrennen praxisnahes Wissen, besonders zu den rechtlichen Rahmenbedingungen. Im Mittelpunkt stehen das Alkoholsteuergesetz, die Alkoholsteuerverordnung sowie die Vorgaben der europäischen Spirituosenverordnung.
SN: Können Sie schätzen, wie viel Prozent oder Hektar der deutschen Streuobstflächen direkt oder indirekt durch die Arbeit der Kleinbrennerinnen und Kleinbrenner gepflegt und/oder verarbeitet werden?
BDKO: Eine belastbare bundesweite Prozent- oder Hektarangabe gibt es nicht, da die Verflechtungen zwischen Streuobstbewirtschaftung und Brennereiwesen statistisch nicht gesondert erfasst werden. Fest steht jedoch, dass die Klein- und Obstbrenner nicht nur Weiterverarbeiter der Früchte sind, sondern die Bewirtschafter und damit wichtige Pflegekräfte der Streuobstbestände und der Kulturlandschaft sind. Die Veredelung über den Brennkessel ist ein wichtiger wirtschaftlicher Anreiz für Pflege, Ernte und Erhalt der Bestände – insbesondere für Früchte, die nicht als Tafelobst vermarktet werden.
SN: Welche Produkte entstehen in den Brennereien aus dem Streuobst? Gibt es besondere Produktinnovationen im Moment, die Streuobst beinhalten?
BDKO: Aus Streuobst entstehen vor allem Obstbrände, wie z.B. Kirsch- und Zwetschgenwasser, Apfel- und Birnenbrand, bei den Geisten ist sicher der Himbeergeist am bekanntesten und entsprechend zur ganzen Fruchtbandbreite auch Liköre. Die eigentliche Innovation liegt häufig in der Wiederentdeckung alter Obstsorten und ihrer sortenreinen Verarbeitung. Damit verbinden die Herstellerbetriebe Genuss, Regionalität, Biodiversität und Nachhaltigkeit auf zeitgemäße Weise.
SN: Viele Streuobstbewirtschafterinnen und -bewirtschafter stehen im Herbst vor großen Mengen an Äpfeln, Birnen, Zwetschgen oder Kirschen. Können sie das Obst bei Kleinbrennerinnen und Kleinbrennern abgeben? Wo finden sie diese?
BDKO: Privatpersonen, die eigenes Obst über den Brennkessel veredeln lassen sind die so genannte „Stoffbesitzer“. Sie dürfen aus Ihren eigenen Rohstoffen fünfzig Liter Alkohol bei unseren landwirtschaftlichen Abfindungsbetrieben herstellen lassen. Dazu gibt es eine bundesweite Übersicht von Lohnbrennereien, die der NABU pflegt (zur Übersicht). Wir haben auch eine Liste angefangen, aber die ist jung und noch nicht sehr umfangreich. Das Thema Stoffbesitzbrennen haben wir kurz zusammengefasst auf unsere Internetseite zum Nachlesen.
SN: Viele Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter klagen darüber, dass die Preise für herkömmliches Industrieobst (z.B. für Saft) kaum die Mühe des Auflesens decken. Zahlen Kleinbrenner für qualitativ hochwertiges, handverlesenes Streuobst in der Regel bessere Preise, und wie wird der Wert dieser Rohstoffe bei Ihnen bemessen?
BDKO: Nun, hier vermischt sich die Logik von Tafelobst mit der von Brennobst. Für die Brennerei zählt in der Regel nicht, ob die Frucht optisch makellos ist, sondern vielmehr Reifegrad, Gesundheitszustand (nicht faul, verschimmelt), Zuckergehalt, Aromapotenzial, Sorte. "Handverlesen" klingt daher eher nach Vermarktung als Tafelobst und ist für Brenner nicht zwingend das entscheidende Qualitätsmerkmal. Daraus lässt sich nicht automatisch ein höherer Erzeugerpreis ableiten, da der Preis so oder so von zahlreichen Faktoren abhängt.
SN: Seit März 2025 ist die „Handwerkliche Brennkunst“ offiziell Immaterielles Kulturerbe in Deutschland – ebenso wie der Streuobstanbau seit 2021. Was bedeutet dieser Titel konkret für die Kleinbrennerinnen und Kleinbrenner und wie profitiert die Streuobstszene von dieser neuen Sichtbarkeit?
BDKO: Die Anerkennung der „Handwerklichen Brennkunst“ als Immaterielles Kulturerbe ist vor allem eine ideelle Auszeichnung. Sie schafft keinen neuen rechtlichen oder wirtschaftlichen Status, bringt aber mehr Aufmerksamkeit für das traditionelle Handwerk. Für die Kleinbrenner bedeutet das vor allem, dass ihre Arbeit stärker als kulturell geprägt und regional verankert wahrgenommen wird. Gleichzeitig wird deutlicher, wie eng Brennerei und Streuobstbewirtschaftung zusammengehören. Davon kann auch die Streuobstszene profitieren, weil ihr Beitrag zur Kulturlandschaft sichtbarer wird.
SN: Auf Ihrer Website betonen Sie das Motto „Gemeinsam sichtbar!“. Welche konkreten Projekte, Kampagnen oder Aktionstage stehen aktuell an? Rücken Streuobst und Brennkunst näher zusammen?
BDKO: Ein gemeinsames Logo – eine Corporate Identity sozusagen. Es soll deutlich werden, dass Brennkunst in vielen landwirtschaftlichen Betrieben nach wie vor existiert und aktiv gelebt wird. Streuobst und Brennkunst rücken nicht erst jetzt zusammen, sie waren schon immer eng miteinander verbunden. Was sich verändert hat, ist vor allem der Kommunikationsaspekt: Dieser Zusammenhang muss heute wieder stärker erklärt und sichtbar gemacht werden, da er – ebenso wie Teile der Produkte selbst – im öffentlichen Bewusstsein teilweise in den Hintergrund geraten ist.
SN: Jedes Jahr am 2. Oktober ist der „Tag des Obstbrands“. Was genau passiert da?
BDKO: Den „Tag des Obstbrands“ feiern wir seit 2025 am 2. Oktober. Aufgrund der kurzfristigen Einführung blieb im ersten Jahr wenig Zeit für eine breite Bewerbung. Langfristig soll er sich, ähnlich wie der Tag der Streuobstwiese, etablieren und die handwerkliche Brennkunst sichtbar machen – von der Streuobstwiese über die Verarbeitung bis zum fertigen Destillat. Gleichzeitig zeigen wir, dass Obstbrände weit mehr sind als ein Digestif und auch in modernen Aperitifs und Cocktails ihren Platz haben. Das ist eine attraktive Alternative zu standardisierten Industrieprodukten.
SN: Der BDKO setzt sich stark für die Weiterbildung ein. Welche Angebote gibt es? Sind auch welche für ambitionierte Streuobstbewirtschafterinnen und -bewirtschafter dabei, die tiefer in die Materie einsteigen wollen?
BDKO: Der Schwerpunkt liegt derzeit auf rechtlichen Themen, wie zuvor schon erläutert. Allerdings planen wir auch praxisnahe Seminare wie z.B. Likörherstellung. Das ist auch für Streuobstbesitzerinnen und -besitzer ein spannendes und lebendiges Thema für das kein eigener Brennhafen nötig ist. Dasselbe gilt für die Thematik „Obstbrand in Cocktails“.
SN: Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Antworten!
BDKO: Vielen Dank für das Gespräch und das Interesse an unserer Arbeit. Wir hoffen, wir konnten zeigen, dass hinter Streuobst und Brennkunst weit mehr steckt als nur ein gutes Tröpfchen.
In diesem Sinne: „Klare Sache – Konsum mit Köpfchen.“
Bundesverband der Deutschen Klein- und Obstbrenner
Der BDKO (Bundesverband der Deutschen Klein- und Obstbrenner e.V.) vertritt die politischen und fachlichen Interessen von rund 24.000 Klein- und Obstbrennern sowie Stoffbesitzern in Deutschland. Als Bundesverband setzt er sich gegenüber den Ländern, dem Bund und der EU für ihre Belange ein und engagiert sich insbesondere für den Erhalt des Abfindungsbrennens sowie verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Die acht Landesverbände tragen hierzu unter anderem mit Edelbrandprämierungen und Fachveranstaltungen bei. Gleichzeitig rückt die enge Verbindung zwischen landwirtschaftlichem Brennen und Streuobst stärker in den Fokus. Die Pflege und der Erhalt vieler Streuobstwiesen sind eng mit der Nutzung und Verarbeitung ihrer Früchte verbunden.
Zunehmend engagiert sich der BDKO auch für die Vermittlung und Sichtbarkeit der handwerklichen Brennkunst, die seit März 2025 als Immaterielles Kulturerbe Deutschlands anerkannt ist. Durch Öffentlichkeitsarbeit, Aktionstage und neue Impulse für eine zeitgemäße Trinkkultur setzt sich der Verband dafür ein, die handwerkliche Brennkunst sowie die Qualität regionaler Erzeugnisse stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Als Bindeglied zwischen Erzeugern, Politik und Verbrauchern engagiert sich der Verband unter dem Motto „Gemeinsam sichtbar!“ für die Wertschätzung der handwerklichen Brennkunst, regionaler Produkte sowie den Erhalt gewachsener Kulturlandschaften.
Seit 2025 ist Silke Eckert-Lion Geschäftsführerin des Verbandes mit Sitz in Karlsruhe.
Weitere Informationen: bdko.de