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Vom Zuhörer zum Möglichmacher: Warum Nico Hoffmann den Streuobsterhalt unterstützt
Der Streuobstanbau ist Immaterielles Kulturerbe, die Streuobstwiesen sind wertvoller Lebensraum und für viele eine echte Herzensangelegenheit. Um diesen Schatz zu bewahren, braucht es Menschen, die direkt auf der Wiese anpacken – und Menschen, die dieses Engagement im Hintergrund überhaupt erst möglich machen. In dieser Ausgabe stellen wir einen solchen Menschen vor, der dem Streuobsterhalt auf ganz eigene Weise den Rücken stärkt. Nico Hoffmann unterstützte Hochstamm Deutschland e.V. mit einer Spende. Wir wollten wissen: Wer steckt hinter dieser Unterstützung und was verbindet ihn persönlich mit der Streuobstwiese?
Streuobst-News (SN): Herr Hoffmann, wir freuen uns, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen nehmen! Verraten Sie uns direkt zum Einstieg: Wie sind Sie eigentlich zum Thema Streuobst gekommen? Was verbinden Sie ganz persönlich mit Streuobstwiesen?
Meine Großeltern und Eltern hatten immer Obstbäume im Schrebergarten. Das fand ich als Kind toll, da ich immer direkt vom Baum essen konnte. Wir haben das Obst auch zum Moster gebracht und im Gegenzug Saft mitgenommen. Heute sehe ich Streuobstwiesen als wichtigen Lebensraum für Insekten und andere Tiere und freue mich immer, wenn ich auf Wanderungen eine Streuobstwiese entdecke. Meine Partnerin und ich haben auch eine Patenschaft für eine alte Kirschsorte, die uns jedes Jahr mit reichlich Früchten beschenkt.
SN: Damit unsere Leserinnen und Leser ein Bild von Ihnen bekommen: Wer sind Sie und was ist Ihr beruflicher oder persönlicher Hintergrund?
Ich bin beruflich in der Industrie tätig und als Ausgleich verbringe ich meine Zeit gern in der Natur und liebäugle hier und da mit dem Gedanken, eine eigene Streuobstwiese zu bewirtschaften.
SN: Ohne Menschen wie Sie, die gemeinnützige Vereine tatkräftig bzw. finanziell unterstützen, wäre vieles auf den Streuobstwiesen gar nicht möglich. Bei all den vielen guten Zwecken, die man unterstützen kann: Wie haben Sie Hochstamm Deutschland e.V. für sich entdeckt?
Wir waren 2022 zu den Hohenloher Streuobsttagen in Kupferzell und haben einen sehr bewegenden Vortrag von Hannes Bürckmann gehört. Seine Leidenschaft hat mich angesteckt und ich wollte sofort hinaus auf die nächste Streuobstwiese und meinen Beitrag leisten. Spaß beiseite… Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt wenig Berührungspunkte mit dem Thema und habe durch den Vortrag gelernt, wieviel Arbeit, aber auch Wert, in der Pflege von Streuobstwiesen steckt. Ich würde sagen, ich bin ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig eine solche Aufklärungsarbeit ist.
SN: Wir sind natürlich neugierig: Was treibt Sie an? Warum liegt es Ihnen so am Herzen, genau unsere Arbeit und die Streuobstwiesen so großzügig zu unterstützen?
Ich finde es sehr faszinierend, was der Verein leistet, wie wichtig Streuobstwiesen sind und was für großartige Ideen entstehen. Ich möchte diese Arbeit unterstützen und dafür Sorge tragen, dass unsere Streuobstwiesen erhalten bleiben.
SN: Wenn wir gemeinsam in die Zukunft schauen: Was müsste aus Ihrer Sicht unbedingt passieren, ob nun in der Gesellschaft, der Politik oder durch Initiativen wie uns, damit unsere Streuobstwiesen eine gute Zukunft haben?
Es braucht eine starke Gemeinschaft, in der sich jeder einbringt. Sie sorgt dafür, dass verwilderte Streuobstwiesen zum Leben erweckt werden. Es fehlt oft an Wertschätzung für den Erhalt der Streuobstwiesen als Kulturlandschaft und wertvoller Lebensraum. Auch politisch sollte dies unterstützt werden, damit dem Altbestand in den kommenden Jahrzehnten weiterhin neue Bäume folgen.
SN: Viele unserer Leserinnen und Leser der Streuobst-News stehen selbst oft auf der Wiese und pflegen die Bäume. Was möchten Sie dieser engagierten Community gerne mit auf den Weg geben?
Zunächst ein großes Dankeschön: Ihr Einsatz ist sehr wertvoll und wird in jedem Fall wahrgenommen – zum Beispiel von mir, denn ich habe durch den Verein meine Liebe zur Streuobstwiese entdeckt. Darüber hinaus bitte ich Sie, Ihr Wissen auch an die nächsten Generationen weiterzugeben, damit uns dieser Teil Kulturlandschaft noch lange erhalten bleibt.
SN: Und zum Schluss eine Schnell-Fragerunde. Für was entscheidest Du Dich?
- Streuobstäpfel oder Streuobstbirnen?
Streuobstäpfel
- Picknick oder Gummistiefel?
Gummistiefel
- Apfelsaft oder Apfelwein?
Apfelsaft
- Blütenpracht oder Erntezeit?
Beides. Die Blütenpracht im Frühjahr ist einfach schön anzusehen. Die Erntezeit mit ihrer Fülle an Säften und Speisen ist ein wunderbarer Höhepunkt und Abschluss des Sommers.
SN: Vielen Dank für Ihre großartige Unterstützung unserer Vereinsarbeit und für die Zeit, die Sie sich für dieses Interview genommen haben!
Nico Hoffmann (1989) ist technischer Fachwirt mit elektrotechnischem Hintergrund. Er interessiert sich besonders für Literatur und ist ein Schallplattenliebhaber. Sein Interesse an Streuobst wurde durch den Verein Hochstamm Deutschland e.V. geweckt und hat seitdem in dem Wunsch nach langfristigem Erhalt des Kulturguts eine Heimat gefunden.