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Vom Zufallsfund zum Sortengarten: Wer ist die Schwäbische Goldmirabelle?
Auf den Streuobstwiesen der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) scheint noch immer Unerwartetes verborgen zu sein: In Oberglashütte (Stetten am kalten Markt, Landkreis Sigmaringen) entdeckte Alexander Veith gemeinsam mit weiteren Streuobstbegeisterten eine bislang unbekannte Mirabellensorte. Die „Schwäbische Goldmirabelle“ überzeugt nicht nur mit großen, saftigen Früchten. Um die seltene Sorte zu erhalten, werden nun Ableger vermehrt und weitergegeben. Im Interview erzählt Alexander Veith von der spannenden Entdeckung, den ersten Untersuchungen und den Herausforderungen, eine „neue alte“ Sorte für die Zukunft zu bewahren.
- Der "Schatzfinder": Alexander Veith, zwytscher.de
- Der Fund: die schäbische Goldmirabelle
- Das Interview führte (schriftlich): Mira Mosbacher
Streuobst-News (SN): Erzählen Sie uns gerne zum Einstieg: Welche Verbindung haben Sie zum Thema Streuobst?
Alexander Veith (AV): Wir ernten schon lange zusammen mit unseren Eltern und Großeltern Äpfel, Birnen, Kirschen, Mirabellen und Zwetschgen auf den Wiesen unserer Großeltern und waren auch als Kinder immer schon auf den Wiesen mit dabei. Genauso ist es mittlerweile mit unseren Kindern. Das Obst haben wir immer gegessen, gesaftet, brennen lassen oder verschenkt. Als wir vor ein paar Jahren sehr viel Obst geerntet haben, hatten wir die Idee unseren Schnaps unter der Marke „zwytscher“ auf regionalen Märkten zu verkaufen. Seitdem haben wir noch ein paar Wiesen gekauft und dazu gepachtet. Dort pflanzen wir fleißig nach und versuchen so, unsere Streuobstwiesen möglichst naturnah zu erhalten.
SN: Wer hat die Schwäbische Goldmirabelle entdeckt und unter welchen Umständen wurde der Baum in Oberglashütte erstmals genauer wahrgenommen? Wer hat die Sorte genauer untersuchen lassen und wo, und was konnte dabei über die Schwäbische Goldmirabelle herausgefunden werden?
AV: Die Schwäbische Goldmirabelle haben wir durch Zufall entdeckt. Zu der Zeit, als wir mit unseren Schnäpsen gestartet sind, hat uns eine Frau kontaktiert. Frau Mattes aus Oberglashütte las einen Zeitungsartikel über uns und hat sich daraufhin wegen ihrer Mirabellen gemeldet. Als die Pomologin Dr. Braun-Lüllemann und das Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee im Sommer 2025 dazu aufriefen, alte Pflaumensorten aus Baden-Württemberg zu melden, schickten wir ihr einige Früchte, Steine und Blätter zur Bestimmung. Wir sind ursprünglich aufgrund der Größe der Früchte davon ausgegangen, dass es sich um eine Pflaumen- oder Reneklodenart handelt. Bei einer Genanalyse stellte sich dann heraus, dass es sich um eine bisher unbekannte und mit keiner bekannten Sorte verwandten Mirabelle handelt. Wegen der großen goldgelben Früchte haben wir sie Schwäbische Goldmirabelle getauft.
SN: Können Sie uns einen kleinen Steckbrief zur Schwäbischen Goldmirabelle geben – sowohl zur Frucht (Größe, Form, Geschmack etc.) als auch zum Baum und seinem Standort?
AV: Die Früchte sind im Vergleich zur Nancy-Mirabelle relativ groß, goldgelb und sehr saftig mit hohem Fruchtanteil. Die Bäume sind buschig mit einer Art vereinzelten Stacheln an den jungen Wurzelschösslingen. Rund um den Baum treiben sehr viele Wurzelschösslinge, die schnell wachsen und bereits nach wenigen Jahren Früchte tragen. Die ursprünglichen Bäume stehen im Garten von Frau Mattes in Oberglashütte und mittlerweile auch auf all unseren Streuobstwiesen. Einige Ableger haben wir an Interessierte und Bekannte verteilt und einige davon wachsen bereits im Sortengarten bei Frau Dr. Braun-Lüllemann.
SN: Was macht die Schwäbischen Goldmirabelle so besonders?
AV: Die Mirabelle überzeugt vor allem durch die großen saftigen Früchte, ihren süßen Geschmack und den bisher sehr hohen Ertrag.
SN: Welche Hürden begegnen Ihnen beim Versuch, die Sorte für die Zukunft zu sichern?
AV: Wir sind dabei, so viele Ableger wie möglich zu verteilen. Auf unseren Wiesen wird langsam der Platz rar. Deswegen haben wir auch einige Baumschulen und Gartenbauvereine angeschrieben, bisher mit sehr großem Interesse. Alle, die auch gerne eine Schwäbische Goldmirabelle auf Ihrer Wiese pflanzen möchten, dürfen sich gerne melden (Kontaktdaten unten).
SN: Haben Sie inzwischen noch weitere Exemplare der Schwäbischen Goldmirabelle entdeckt?
AV: Nein, leider nicht. Bisher kennen wir außer den von uns gepflanzten Bäumchen nur die Bäume im Garten von Frau Mattes.
SN: Was begeistert Sie an der Schwäbischen Goldmirabelle ganz persönlich am meisten?
AV: Wir haben uns natürlich wahnsinnig gefreut, als wir erfahren haben, dass wir eine bisher unbekannte Sorte entdeckt hatten. Das passiert schließlich nicht jeden Tag. Da mein Schnaps-Favorit ganz klar die Mirabelle ist, freue ich mich persönlich am meisten über unseren Goldmirabellen-Schnaps. Dazu finde ich es klasse, dass wir so eine besondere Sorte weiterverbreiten und so viele Streuobstbegeisterte wie möglich daran teilhaben lassen.
SN: Vielen Danke, dass Sie uns mit Ihrer Begeisterung für alte Obstsorten anstecken!
Alexander Veith (Jahrgang 1990) aus Albstadt-Ebingen (Zollernalbkreis, Baden-Württemberg) ist gelernter Industriekaufmann, verheiratet und hat zwei Kinder. Er begeistert sich besonders für Schnäpse und Most von den eigenen Wiesen. Die Arbeit auf den Streuobstwiesen ist der ideale Ausgleich zum Alltag. www.zwytscher.de
Kontakt: alex@zwytscher.de