Was gibts Neues?
Themen, Ideen, Termine und viele weitere spannende Nachrichten aus unserem weitverzweigten Netzwerk - wenn es etwas Neues gibt, lesen Sie es hier.

Streuobstkommunen des Jahres 2026 im Rhein-Main-Gebiet
Seit dem Jahr 2021 zeichnet der Regionalverband FrankfurtRheinMain die Streuobstkommune des Jahres aus. Die achtzig Mitgliedskommunen des Verbands sind aufgerufen, sich für die Auszeichnung zu bewerben und eine der bis zu drei Streuobstkommunen des Jahres zu werden. Zwischen fünf und zehn Bewerbungen gehen pro Jahr beim Regionalverband ein, eine Jury wählt aus. Die Auswahlkriterien für die Siegerkommune sind bewusst flexibel gehalten. So erhalten sowohl Kommunen die Auszeichnung, die seit vielen Jahren aktiv sind und umfangreiche Förderkonzepte umsetzen, als auch Kommunen, die gerade am Anfang stehen. Letzteren gibt die Auszeichnung Rückenwind für ihre Aktivitäten. Die Preisträger erhalten als Anerkennung eine hochwertige Trophäe aus heimischem Obstholz, eine Plakette, eine Urkunde, und einen Gutschein für eine Tagesfortbildung beim Streuobstexperten Josef Weimer zu einem Kursthema ihrer Wahl.
Die Siegerkommunen in diesem Jahr und ihre besonderen Beiträge für den Streuobsterhalt
- Streuobstkommune Karben: Von der Umweltbildung bis zum Apfelsaft
Eine der beiden Siegerkommunen in diesem Jahr ist die Stadt Karben an der Südspitze der Wetterau (Wetteraukreis). Rund 37 Hektar Streuobstflächen mit 2.480 Bäumen sind im städtischem Eigentum. Einige der Streuobstbestände befinden sich in Schutzgebieten wie dem Naturschutzgebiet „Pfingstweide und Kloppenheimer Wäldchen“. Im Bereich „Am Riedberg“ innerhalb der Gemarkung Okarben prägen Streuobstbestände das Landschaftsbild maßgeblich. Besonders aktiv setzen sich die drei Organisationen IG Streuobst e. V., BUND und der NABU sowie engagierte landwirtschaftliche Betriebe für die ökologische Bewirtschaftung der Streuobstwiesen ein. Pächterinnen und Pächter städtischer Streuobstwiesen unterstützt die Stadt bei der Anschaffung von Jungbäumen und, sofern erwünscht, betreuen städtische Beschäftigte die Flächen. Auch Umweltbildung ist der Stadt wichtig. In Kooperation mit der IG Streuobst hat sie eine Streuobst-Pädagogin angestellt, die Kindern den Lebensraum Streuobstwiese näherbringt. Zudem ist Karben die erste Mitgliedskommune beim Projekt Wetterauer Ernten, in dessen Rahmen seit 2021 auf vier Flächen Früchte in haushaltsüblichen Mengen geerntet werden dürfen. Last but not least stellt die Kelterei Rapp’s seit langer Zeit Saft aus Äpfeln von Karbener Streuobstwiesen her.
- Streuobstkommune Limeshain: Vom Lehrpfad bis zur Schafweide
Auch in Limeshain, der zweiten Streuobstkommune des Jahres 2026, tut sich einiges für die Streuobstkultur: Ein neuer Lehrpfad verbindet künftig die Ortsteile Himbach und Hainchen auf zwei flexibel kombinierbaren Routen. Als solide Grundlage dafür wurden bereits rund 3.800 kommunale und private Obstbäume fachkundig kartiert und im regionalen Kataster erfasst. Die Nutzung der Streuobstflächen ist in Limeshain ebenfalls ein Thema. Mit mehreren Standorten ist die Kommune am Projekt Wetterauer Ernten (kostenfreies Abernten für Bürgerinnen und Bürger) beteiligt. Auch das Grünland bleibt nicht ungenutzt. Viele städtische Flächen beweidet ein Schäfer mit seinen Schafen. Die Ganztagsbetreuung der Grundschule führt die Kinder an die Streuobstwiesen heran. Unterstützt von lokalen Vereinen rekultiviert die Kommune derzeit verwilderte Grundstücke als Vorzeigebiotope für die Landesgartenschau Oberhessen 2027.
Und wie schauen die Siegerkommunen auf den Wettbewerb?
In Karben hatte die IG Streuobst e. V. angeregt, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Bei dem Verein haben die Streuobst-News nachgefragt, wie sie auf den Wettbewerb schauen.
|
Streuobst-News (SN): Was waren Ihre Beweggründe für die Teilnahme? IG Streuobst e. V. (IG): Ein Beweggrund war mehr Aufmerksamkeit für das Thema Streuobst in den Medien und somit in der breiten Bevölkerung (und nicht nur bei den sowieso schon engagierten Menschen) zu erzielen. Zudem sah die IG den Titel als Anreiz, mit der Unterstützung der Streuobstbewirtschaftung weiterzumachen bzw. sie auszubauen. Zusätzlich bestand auch die Hoffnung auf finanzielle oder anderweitige Unterstützung von lokalen Initiativen durch den Regionalverband. SN: Hat die Teilnahme der Kommune an dem Wettbewerb in der Kommune etwas verändert? IG: Einige Veränderungen haben in der Kommune stattgefunden, bevor sich die Stadt zur Teilnahme am Wettbewerb entschieden hat. Engagierte Mitarbeiterinnen der Stadt Karben sind hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten über die vergangenen Jahre aktiv gewesen und haben das Streuobstthema gefördert. Wir wünschen uns nun, dass dieses Momentum aufrecht erhalten bleibt bzw. ausgeweitet wird. SN: Ist der Sieg bei dem Wettbewerb ein Ansporn, das Engagement für Streuobst fortzusetzen oder auszubauen? Oder ist der Sieg einfach eine schöne Anerkennung und das Thema Streuobst sowieso ein Herzensanliegen? IG: Das Thema Streuobst ist eines, wenn auch wesentliches, von vielen kommunalen Biodiversitätsthemen, die an die Stadt Karben herangetragen werden. Das muss die Stadt finanziell, personell als auch organisatorisch stemmen. Der Sieg ist aus Sicht unseres Vereins eine Anerkennung für die Arbeit der vergangenen Jahre, die an vielen Stellen aus völlig vernachlässigten Flächen wieder vorzeigbare Wiesen gemacht hat. Dies ist zu großen Teilen der Gründung der IG Streuobst e. V. zu verdanken, die aus einer Initiative der Stadt Karben zusammen mit Rapp’s Kelterei und den Naturschutzverbänden entstanden ist. Aus Vereinssicht hoffen wir sehr, dass die Stadt Karben als Titelgewinner das Engagement für Streuobst nicht nur fortsetzt, sondern weiter ausbaut. Es gibt eine reichhaltige Ideen-Sammlung, wie die Stadt die örtlichen Streuobstbewirtschafterinnen und -bewirtschafter unterstützen kann. Einige Punkte betreffen den Ausbau der Versorgung mit Wasser für junge Bäume, die Unterstützung bei Mahd und Verwertung des Schnittguts, die mögliche Einrichtung einer Apfelsammelstelle und insbesondere auch die Entwicklung der Streuobstpädagogik in Kitas und Schulen durch entsprechende Fortbildung des Personals. |
Die Idee hinter dem Wettbewerb
Die Streuobst-News haben außerdem den ersten Beigeordneten des Regionalverbandes, Rouven Kötter, gefragt, wie der Wettbewerb entstand und ob er als Erfolg zu sehen ist.
|
Streuobst-News: Wie ist die Idee entstanden den Wettbewerb durchzuführen? Rouven Kötter (RK): Der Regionalverband FrankfurtRheinMain hat 2018 das Thema Streuobst neu in den Fokus genommen und sich gemeinsam mit den Streuobstakteuren der Region überlegt, welche strategischen Ziele wir erreichen wollen. Die Idee einer Auszeichnung „Streuobstkommune des Jahres“ war meine Idee, um die Bedeutung der Streuobstwiesen als regionaler Identitätsstifter und ökologisch bedeutsame Kulturlandschaft bei den handelnden Akteuren in den Städten und Gemeinden in den Fokus zu rücken. Wir wollten gute Beispiele auszeichnen und andere animieren, deren gute Ideen zu kopieren und eigene Ideen zu entwickeln. SN: Konnten Sie beobachten, dass seitdem der Wettbewerb im Jahr 2021 das erste Mal stattfand, Kommunen in der Region deutlich mehr Einsatz für den Erhalt von Streuobstwiesen zeigen, um den Titel "Streuobstkommune des Jahres" zu erhalten? Rouven Kötter (RK): Ein klares Ja: Die Bewerbungen zeigen, dass sich die Städte und Gemeinden, die das Thema ernst nehmen, sehr kreativ und engagiert um die Streuobstakteure vor Ort kümmern. Die Qualität der Bewerbungen ist sehr gut. |
Beide Interviews in diesem Artikel führte Elise Wesemann, newsletter@pomologen-verein.de