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Streuobst im Klimawandel: Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage
Der Klimawandel setzt Streuobstwiesen zusehends unter Druck und stellt Bewirtschaftende vor neue Herausforderungen. Um die genauen Auswirkungen und Handlungsbedarfe zu erfassen, hat das Forschungsprojekt „Streuobstwiesen im Klimawandel – ein Projekt mit Streuobstbewirtschaftenden“ (StreuWiKlim) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Kooperation mit der Technischen Universität München zwischen Juni 2023 und September 2025 fünf bayerische Regionen analysiert und Klimasteckbriefe erarbeitet.
Befragung von Bewirtschaftenden: Ergebnisse liegen vor
Seit März 2026 liegt nun die Auswertung einer Befragung von Streuobstbewirtschaftenden vor. Ziel der Befragung war es, die Beobachtungen und Erfahrungen der Praktikerinnen und Praktiker mit Streuobstwiesen im Klimawandel zusammenzutragen, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Insgesamt lagen 104 auswertbare Ergebnisse vor, die meisten Antworten kamen aus Baden-Württemberg (36) und Bayern (34), gefolgt von Hessen (14).
Was sind die häufigsten Herausforderungen der Bewirtschaftenden in Bezug auf den Klimawandel?
Als drängendste klimatische Herausforderung nennen knapp 60 % der Befragten die Zunahme von Spätfrostschäden, eng gekoppelt an eine Verfrühung der Blüte (51 %). Ebenso wiegen Schäden an Früchten sowie schlechte Ernten schwer (jeweils 38,5 %), gefolgt von einer nachlassenden Lagerfähigkeit von Äpfeln (36,5 %) und einer verfrühten Fruchtreife (31,7 %). Zudem berichten die Bewirtschaftenden von zunehmendem Schädlingsdruck (27,9 %) und Krankheiten (28,8 %) wie dem Schwarzen Rindenbrand. Auch Dürre und Hitze setzen den Flächen zu: 56,7 % beobachteten Sonnenbrandschäden an Früchten und 35,6 % thermisch bedingte Stammschäden wie Frostrisse. Die Hauptursachen für Ertragsausfälle schwanken dabei stark von Jahr zu Jahr - von Hitze im Jahr 2022 über erschwerte Bestäubung 2023 bis hin zu Spätfrost im Jahr 2024.
Welche Maßnahmen wenden die Bewirtschaftenden an und welche haben sich bewährt?
Insgesamt haben 32,7 % der Befragten bereits Anpassungsmaßnahmen auf ihren Streuobstwiesen umgesetzt. 41,2 % fehlt allerdings auch die Kenntnis über mögliche Anpassungsmaßnahmen. Unter den bereits aktiven Streuobstbewirtschaftenden steht eine veränderte Sortenwahl an erster Stelle. Hierbei setzen Betriebe vermehrt auf robuste, trockenheitstolerante oder spätblühende Sorten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Diversifizierung der Obstarten sowie die gezielte Bewässerung. Letztere konzentriert sich vor allem auf die Etablierungsphase: 84,7 % der Befragten wässern ihre Jungbäume in Trockenperioden. Auch der mechanische Stammschutz vor Sonneneinstrahlung durch Stammanstriche oder Schilfrohrmatten sowie ein angepasster Baumschnitt mit mehr verbleibender Blattmasse zur Beschattung gewinnen an Bedeutung. Zudem halten 75,3 % der Befragten die Baumscheibe bei Jungbäumen offen oder nutzen Mulchschichten. In der Praxis zeigt sich eine klare Parallele: Die am häufigsten umgesetzte Maßnahme - die veränderte Sortenwahl - hat sich bislang auch am besten bewährt, dicht gefolgt vom Stammschutz und der Bewässerung.
Fazit
Die Befragung verdeutlicht, Bewirtschaftende in der Praxis erproben bereits wertvolle Lösungsansätze, breites Wissen über Anpassungsmöglichkeiten fehlt aber noch. Ein gezielter Wissenstransfer ist dringender denn je. Trotzdem gilt laut dem Bericht: Pauschale Patenlösungen gibt es nicht. Die Maßnahmen müssen stets regional und standortspezifisch sein. Der wichtigste Schlüssel zur klimafitten Streuobstwiese bleibt die Vielfalt. Wer bei Neupflanzungen auf ein breites Spektrum an Obstarten, Sorten und Sämlingsunterlagen setzt, streut das Risiko gegenüber unvorhersehbaren Witterungsextremen. Zudem zeigt die Umfrage auf: In heißen und trockenen Regionen muss der Baumschnitt angepasst werden, um ausreichend Beschattung im Baum zu belassen. Nicht zuletzt gilt es, behördliche Vorgaben in Förderprogrammen kritisch zu prüfen und flexibler an die neuen klimatischen Realitäten anzupassen.
Zum Bericht und Quelle
Honecker, R. & Reinke, M. (2026): Streuobst im Klimawandel - ein Projekt mit Streuobstwiesenbewirtschaftenden Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) in Kooperation mit der Technischen Universität München (TUM). Online unter: https://www.hochstamm-deutschland.de/files/hochstamm/fachinformationen/StreuWIKLIM_Ergebnisse_Umfrage_2026_03_26.pdf
StreuWiklim online unter: https://www.streuwiklimprojekt.de/publikationen/blog-post-title-two-rdsys