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Robust und mit Zimtaroma: Thüringens Obstsorte des Jahres 2026 ist die Petersbirne
Verschiedene Organisationen wählen jährlich eine Sorte des Jahres, um besondere, in Vergessenheit geratene Sorten wieder an die Öffentlichkeit zu bringen. Zum Nachlesen finden Interessierte hier die Streuobstsorten des Jahres 2025. Auch 2026 stellen die Streuobst-News die Sorten des Jahres einzeln vor. In dieser Ausgabe geht der Blick nach Thüringen: Die Landesgruppe Thüringen des Pomologen-Vereins e. V. kürte die Petersbirne zur Thüringer Obstsorte des Jahres 2026.
Eine regionale Rarität mit Geschichte
Die Petersbirne ist eine traditionelle sächsisch-thüringische Lokalsorte, deren Ursprung wahrscheinlich im Raum Altenburg (Landkreis Altenburger Land, Thüringen) liegt. Bereits 1799 beschrieb Johann Volkmar Sickler die „Kleine Petersbirne“. Im Laufe der Jahrhunderte etablierte sich die Sorte unter verschiedenen Namen wie Große Petersbirne, Weizenbirne, Margaretenbirne oder Großvaterbirne. Einst schätzten Händler und Kundschaft die Birne als beliebte Marktfrucht in den sächsischen Industriegebieten. In den letzten Jahrzehnten geriet der Klassiker jedoch in Vergessenheit und wurde kaum noch gepflanzt.
Mit Zimtaroma und überraschend lagerfähig
Die Petersbirne reift Ende Juli bis Anfang August und gehört damit zu den frühen Sommerbirnen. Eine Besonderheit der Sorte: Die Früchte bleiben nach der Ernte zwei bis drei Wochen lagerfähig, ohne teigig zu werden. Die kleinen bis mittelgroßen Früchte (ca. 65 g; 65 mm hoch und 50 mm breit), sind kreisel- oder kegelförmig und haben eine gelblichgrüne bis schwach rötlich-gelbe Grundfarbe. Eine schwach trüb gelblich-rote bis rote, verwaschen, schwach gestreifte Deckfarbe bedeckt bis zu 80 Prozent der Frucht. Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, fest bis halbschmelzend und feinkörnig. Die Petersbirne eignet sich mit ihrem süßen bis schwach säuerlichen, kräftig zimtaromatischen Geschmack hervorragend für den Frischverzehr direkt vom Baum. Sie lässt sich aber ebenso gut zu Dörrobst, Kompott oder Nasskonserven verarbeiten.
Ideal für die Streuobstwiese
Der Baum wächst stark, bildet eine dichte Krone aus und bringt regelmäßig hohe Erträge. Durch ihre ausgeprägte Widerstandsfähigkeit passt die Petersbirne perfekt auf die Streuobstwiese:
- Standort: Breit anbaufähig, bis in Gebirgs- und Grenzlagen des Birnenanbaus (sofern die Böden nicht zu trocken sind)
- Widerstandskraft: Holz und Blüte weisen eine hohe Frosthärte auf; die Sorte zeigt sich kaum anfällig für Schorf.
- Empfehlung: Aufgrund des starken Wuchses empfiehlt sich die Veredelung auf Sämlingsunterlage für hohe Baumformen. Zudem eignet sich die mittelfrüh blühende Sorte gut als Befruchter für andere Birnen.
Erhalt durch Nutzung: Jetzt junge Bäume pflanzen
Um diesen Sortenschatz vor dem Aussterben zu bewahren, lässt die Landesgruppe Thüringen des Pomologen-Verein e. V. wieder junge Bäume in Kooperation mit regionalen Baumschulen anziehen. So gelangt die Petersbirne zurück in Gärten, auf Wiesen und an Feldwege.
Bezugsquellen für das Pflanzgut sind (Auswahl):
- August Baumschulen (Ellrich)
- Baumschule Jähler e. K. (Schmölln)
- Baumschule Köhler (Kleinromstedt)
- Obstbaumschule Kühr GbR (Erfurt-Tiefthal)
- Oberlandbaumschule Harra (Rosenthal am Rennsteig)
- Pflanzlust (Wolfhagen-Nothfelden)
- Baumschule Rintisch (Herbsleben)
Weitere Informationen:
Weitere Informationen finden Interessierte auf der Homepage des Erhalternetzwerks sowie im Jahresheft 2026 des Pomologen-Vereins e. V., das gegen Weihnachten alle Mitglieder kostenlos erhalten und ab nächstem Jahr im Shop des Pomologen-Vereins e. V. zu erwerben ist.