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Rechnet sich die Bio-Gruppenzertifizierung für Streuobst?
Hohe Kosten für die Bio-Kontrolle und geringe Auszahlungspreise belasten kleine Streuobstbetriebe. Das Bio-Kontroll-Institut und die Naccon GmbH untersuchten deshalb im Auftrag der Bio-Musterregion Hohenlohe das Potenzial einer echten Gruppenzertifizierung. Der Abschlussbericht „Gruppenzertifizierung Öko-Streuobst für Öko-Streuobstinitiativen, Bio-Musterregion Baden Württemberg/Hohenlohe“ liefert eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse.
Was ist die Gruppenzertifizierung?
Bislang zertifizierten sich Streuobstbetriebe oft einzelbetrieblich. Jeder Betrieb schloss einen eigenen Vertrag mit der Kontrollstelle ab und trug die vollen Kosten. Alternativ nutzten Initiativen die sogenannte „unechte Sammelzertifizierung“. Dabei pachtete ein Verein oder Unternehmen die Flächen der Mitglieder und agierte rechtlich als alleiniger Bewirtschafter bzw. Biobetrieb. Die Gruppenzertifizierung nach Artikel 36 der Verordnung (EU) 2018/848 stellt für den Streuobstbereich eine praxisnahe und wirtschaftlich tragfähige Alternative zur einzelbetrieblichen Bio-Zertifizierung dar. Landwirtschaftliche Erzeugerinnen und Erzeuger bzw. Flächenbesitzer schließen sich zu einer Unternehmergruppe zusammen. Diese Gruppe richtet ein internes Kontrollsystem (IKS) ein und übernimmt die jährlichen Vor-Ort-Inspektionen der Mitglieder selbst. Die externe Kontrollstelle prüft anschließend nur das System und eine Stichprobe der Flächen der Mitglieder. Nur die Gruppe erhält das gemeinsame Bio-Zertifikat.
Was untersuchte die Studie?
Die Autoren der Studie analysierten die wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte einer gemeinsamen Bio-Zertifizierung für Streuobstinitiativen. Im Fokus standen dabei vor allem kleinere Betriebe und sogenannte „Stücklesbesitzerinnen und -besitzer“ mit einer Fläche von insgesamt bis zu fünfzehn Hektar. Die Untersuchung vergleicht die klassische Einzelzertifizierung mit der neuen Form der Gruppenzertifizierung nach der aktuellen EU-Bio-Verordnung (wir berichteten). Zudem beleuchteten die Autoren die rechtlichen und finanziellen Auswirkungen der neuen Verwaltungsvorschrift zur Stärkung des ökologischen Landbaus auf die Förderung von Unternehmergruppen.
Die Ergebnisse: deutliche Kostensenkung
Eine Unternehmergruppe verteilt die hohen fixen externen Zertifizierungskosten auf viele Schultern. Dadurch sinkt die finanzielle Belastung für den einzelnen Betrieb stark. Gleichzeitig verringert sich der administrative Aufwand. Die Gruppe stellt als eigenständiger Antragsteller einen zentralen Sammelantrag auf Förderung für alle Mitglieder. Die Gruppenzertifizierung fördert zudem den fachlichen Austausch und Wissenstransfer innerhalb der Gruppe.
Internes Kontrollsystem als Schlüssel
Voraussetzung für diese Vorteile ist ein funktionierendes internes Kontrollsystem. Die Gruppe übernimmt eigene interne Inspektionen bei den Mitgliedern und agiert wie eine „kleine Kontrollstelle“. Sie pflegt eine zentrale Mitgliederliste, hält die Flächen in einem geografischen Informationssystem fest und dokumentiert die Erntemengen. Dies erfordert engagierte und ausreichend geschulte Personen mit Kenntnissen im Streuobstbau und kommunikativen Fähigkeiten.
Chancen und Risiken abgewogen
Eine erfolgreiche Umsetzung bedingt klare rechtliche Strukturen, wie etwa einen Verein als Rechtspersönlichkeit. Ein wesentliches Risiko stellt die starke Abhängigkeit von ehrenamtlicher Arbeit dar. Sinkt die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Arbeit, steigen die Kosten für das interne Kontrollsystem durch nötige Aufwandsentschädigungen. Zudem führt ein Versagen des internen Systems im schlimmsten Fall zum Verlust des Bio-Status für die gesamte Gruppe.
Dennoch bewertet der Abschlussbericht die Gruppenzertifizierung als wertvolle, praxisnahe und wirtschaftlich tragfähige Lösung. Sie sichert kleinen Streuobstbetrieben den Erhalt ihrer Wiesen und den kostengünstigen Zugang zum Bio-Markt.
Zum Bericht
Interessierte laden den vollständigen Projektbericht kostenlos auf der Internetseite der Bio-Musterregionen Baden-Württemberg herunter:
Schwegler, M., Wehinger, T. (2026). Machbarkeitsstudie. Gruppenzertifizierung Öko-Streuobst für Öko-Streuobstinitiativen, Bio-Musterregion Baden-Württemberg/Hohenlohe. Online unter: https://biomusterregionen-bw.de/site/pbs-bw-rebrush2024/get/documents_E298103976/MLR.Biomusterregionen/infomaterial/BMR%20Hohenlohe/Infomaterialien/Abschlussbericht%20Gruppenzertifizierung%20Streuobst%2018.05.2026.pdf