Was gibts Neues?
Themen, Ideen, Termine und viele weitere spannende Nachrichten aus unserem weitverzweigten Netzwerk - wenn es etwas Neues gibt, lesen Sie es hier.

Pomologie hautnah: Wie eine 20-jährige Suche ein gutes Ende fand
Als ich begann, mich mit alten Obstsorten zu beschäftigen, es muss um das Jahr 2004 gewesen sein, suchte ich in der näheren Umgebung im Biosphärenreservat Schaalsee (Mecklenburg-Vorpommern) nach Birnenbäumen. Angeregt hat mich dazu auch das wunderbare Buch von Reinhold Heller: Obst in der Altmark. Bei einem meiner Streifzüge entdeckte ich an einem „Hosenträgerweg“ (Plattenweg) einen sehr alten schon ziemlich geschundenen Birnenbaum, mit köstlichen Früchten, die Mitte August reiften und für eine Frühbirne eine ganz ordentliche Größe hatten.
Welche Sorte kann das sein?
Ich begann, was wohl alle versuchen, die der Obstsortenvirus gepackt hat: Ich wälzte alle mir damals vorliegenden Bücher und versuchte die Sorte zu bestimmen. Aber vergeblich. Erst später verstand ich, dass dieses Vorgehen selten bis nie zum Erfolg führt. Zu groß ist die Anzahl der möglichen Sorten, zu groß die Variabilität der Früchte und zu schlecht sind oft die Beschreibungen. Mein nächster Versuch war es, die Früchte versierten Pomologen zu zeigen, in der Hoffnung, dass jemand die Sorte erkennt. Zum damaligen Zeitpunkt gab es leider in Deutschland niemand, der sich mit Tafelbirnen auskannte. Es kam nichts dabei heraus.
Das Rätsel bleibt bestehen
Meine eigenen Kenntnisse in Bezug auf Birnen nahmen mit den Jahren stetig zu. Alle paar Jahre hatte ich die Sorte wieder auf dem Tisch und versuchte erneut, das Rätsel zu knacken. Inzwischen hatte ich insgesamt sieben Bäume in der Region gefunden. Auch mein Pomologenkollege und Freund Jan Bade hatte keine Idee zu der Sorte.
Es muss sich doch knacken lassen!
Die Sorte ist häufig in der Region. Deshalb dachte ich: Das Rätsel muss doch zu lösen sein. Die Sorte Fürstliche Grüne Tafelbirne soll in der Region früher verbreitet gewesen sein - konnte sie es sein? Die Reifezeit passt, die Frucht nicht. Auch eine Birne der gleichen Sorte aus Schweden ist anders als die gesuchte „Frühe vom Plattenweg“.
Frischer Wind aus dem Norden
Im August 2025 kamen die beiden schwedischen Pomologen Sven Plasgard und Niklas Medin nach Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam mit Jan Bade bearbeiteten wir das Thema Frühbirnen. Beim abendlichen Gespräch sprachen wir auch über molekulargenetische Fingerprints. Sven berichtete von Fingerprintdaten von Birnensorten seines verstorbenen Kollegen Joja Geijer. Diese Daten hatte er dabei, unser junger Kollege Björn Roesberg pflegte die Daten in seine Datenbank ein. Am nächsten Morgen hatten wir ein spannendes Ergebnis.
Nach 20 Jahren ist es gelöst
Welche Überraschung! Es gab einen Treffer mit der „Frühen vom Plattenweg“: die Sorte Hodge. Sie war uns nicht bekannt. Ein Griff in meine inzwischen umfangreiche Bibliothek gab weitere Informationen preis. Wir lasen bei Eneroth in der Svensk Pomologie nach, dass die Sorte aus Deutschland kam und ursprünglich Lange Sommer Mundnetzbirne hieß. In Deutschland wurde sie unter anderem von Sickler abgebildet und beschrieben. Die Abbildung passt, ebenso die Beschreibungen unter anderem von Oberdieck. Damit haben wir das Rätsel nach über zwanzig Jahren gelöst.
Die Sorte Lange Sommer Mundnetzbirne ist im Erhalternetzwerk beschrieben: https://obstsortenerhalt.de/node/27391
Die Suche nach den Namen der Sorten, kann schwierig und langwierig sein und oft kommen wir Pomologinnen und Pomologen auch zu keinem klaren Ergebnis. In jedem Fall ist sie aber sehr spannend!
Kontakt und weitere Informationen
Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt beim Pomologen-Verein e.V.
Jens Meyer – Koordinator für Apfelsorten
meyer-kuhlrade@t-online.de