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Obstsortendatenbank des BUND Lemgo: Rekordzugriffszahlen
Die über Jahrzehnte von der Lemgoer Ortsgruppe für Umwelt und Naturschutz Deutschland aufgebaute Obstsortendatenbank gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Sie ist in ihrer Art einmalig und inzwischen europaweit verlinkt. Mit der Zahl von mehr als 202.000 unterschiedlichen Besuchern in 2025 erzielte die Ortsgruppe ein neues Rekordergebnis.
Woher kommt die Obstsortendatenbank?
Motivation zur Anlage war die Schwierigkeit auch die in der Lemgoer Streuobstwiese vorhandenen unbekannten Obstsorten zu bestimmen. Die Zahl der Experten war nach dem zweiten Weltkrieg sehr gering, der Deutsche Pomologenverein bereits 1919 aufgelöst und ein neuer Pomologenverein erst 1991 wieder gegründet. Die alte Fachliteratur mit den Farbabbildungen und Beschreibungen gab es nur noch in geringer Zahl. Dazu kam, dass es Anfang der 70er Jahre staatliche Prämien für die Obstbaumrodung gab, wo insbesondere Streuobstwiesen mit ihren vielen unterschiedlichen Obstsorten verschwanden. Es gab leider keine begleitenden Maßnahmen zum Erhalt alter Sorten.
Für den Aufbau der Datenbank erwarben Mitglieder Gruppe in diversen Antiquariaten, über Fernleihe und Verkaufsplattformen wie ebay Sortenwerke. Die Beteiligten scannten Farbtafeln und Beschreibungen aus über 40 Datenquellen und stellten sie dann auf einer eigenen Datenbank ins Internet. Jedermann und jederfrau kann die Datenbank kostenfrei privat nutzen.
Was zeigt die Datenbank?
Über 3.500 Obstsorten sind in der Datenbank inzwischen aufgeführt. Zu den Besonderheiten gehört das Werk Pomona Franconica von Johann Prokop Mayer aus dem 18ten Jahrhundert, das in 3 Bänden erschienen ist und in dem europäische Obstsorten erfasst wurden. Wegen der hohen Kosten für die aufwendigen und besonders guten Farbabbildungen und den entsprechend hohen Herstellungskosten wurden damals nur 110 Exemplare erstellt, vom dritten Band sogar noch weniger. In Deutschen Bibliotheken war das Werk nur an wenigen Standorten vorhanden. Bei den über die Fernleihe erhaltenen Exemplaren - Zugang nur zur Ansicht im Lesesaal mit Scanverbot - fehlten dann sogar Farbtafeln oder sie waren zum Teil stark beschäftigt. Willi Hennebrüder gelang es ein vollständiges Werk bei der Nationalbibliothek in Kopenhagen ausfindig zu machen. In Kooperation mit der Deutschen Gartenbaubibliothek in Berlin konnte die Digitalisierung in Kopenhagen umgesetzt werden und der BUND Lemgo erhielt eine erste DVD für die Bereitstellung in der Obstsortendatenbank. Ausgewertet wurden u.a. auch die 51 Bände der Pomologischen Monatshefte die von 1855 bis 1905 erschienen waren und das 8bändige Illustrierte Handbuch der Obstkunde mit 1624 beschriebenen Obstsorten. Eine weitere Besonderheit in der Obstsortendatenbank sind die Obstsortenfarbtafeln und Beschreibungen aus der österreichischen Zeitschrift Nach der Arbeit. Die 400 Sortentafeln wurden ehemals lose beigefügt und die Beschreibungen gab es dazu in der Zeitschrift selbst. Ein vollständiges Exemplar existierte nirgendwo. Über mehr als 10 Jahre wurden diverse kleine Sammlungen aufgekauft, so dass man am Ende sogar 2 vollständige Exemplare hatte. Ein Exemplar davon wurde der Deutschen Gartenbaubibliothek in Berlin verkauft, damit zumindest ein vollständiges Exemplar in einer Bibliothek vorhanden ist. Wegen des noch vorhandenen Copyrights wurden privat die Rechte erworben und so die Einstellung in die Obstsortendatenbank ermöglicht. Auch durch die Angaben in der Obstsortendatenbank fand die Gruppe und viele Nutzerinnen und Nutzer inzwischen eine ganze Reihe von verschollenen und besonders wertvollen alten Obstsorten wieder. Ein Beispiel dabei ist die Apfelsorte Sertürners Renette, benannt nach dem Hamelner Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner, dem Entdecker des Morphins, der seine Erfahrungen zu Obstsorten in der Fachpresse veröffentlicht hat. Ein Baum der Sorte steht inzwischen auf der Streuobstwiese des BUND Lemgo.
Link Obstsortendatenbank: http://www.obstsortendatenbank.de