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Neues Forschungs-Praxis-Netzwerk: Was lernen wir von traditionellen Kulturlandschaften?
Hochstamm Deutschland e.V. ist als Netzwerk für die Weiterentwicklung des Streuobstbaus bekannt. Streuobstwiesen stehen jedoch nicht allein da, sondern sind Teil einer globalen Familie traditioneller Kulturlandschaften. Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Natur und uns Menschen, sind aber wirtschaftlich oft wenig rentabel. Unter dem Dach von Hochstamm Deutschland e.V. entsteht deshalb das Cultural Landscapes Lab. Unser Ziel: Wissen aus traditionellen Systemen und moderne Lösungen zu verbinden, um resiliente, nachhaltige und produktive Agrar-Lebensmittelsysteme zu gewährleisten.
Gemeinsames Ziel: nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme
In Zeiten politischer und klimatischer Krisen rücken nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme immer mehr in den globalen Fokus. Eine starke Säule der nachhaltigen Lebensmittelproduktion sind, aufgrund ihrer geringen extern benötigten Ressourcen, traditionelle Kulturlandschaften (bspw. Streuobst, Regenfeldwirtschaft). In vielen Teilen der Welt tragen sie zur Selbstversorgung bei. Darüber hinaus bieten sie viel traditionelles Wissen, das hilft, moderne Systeme nachhaltiger zu machen. Ihr großes Manko: Sie sind arbeitsintensiv und oft wenig rentabel.
Einblick, diskutieren, ausprobieren
Um das große Potenzial traditioneller Kulturlandschaften nutzbar zu machen, bringt das Cultural Landscape Lab von Hochstamm Deutschland e.V. innovative Praxisprojekte und neue Bewirtschaftungsmethoden zusammen. Wir blicken dabei über den Tellerrand des deutschsprachigen Raums hinaus: Dank digitaler Tools überwinden wir Sprachbarrieren und laden in Zukunft zu regelmäßigen Online-Veranstaltungen zum gemeinsamen Austausch ein.
Unser Ziel ist es, dass Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter unterschiedlichster Agrarökosysteme konkrete Ansätze für die eigene Streuobstwiese mitnehmen können. Kurze Präsentationen liefern dafür frische Impulse, um anschließend gemeinsam über Lösungen, Übertragungsmöglichkeiten und praktische Umsetzungsideen zu diskutieren.
Let`s get started: Wasser in der Landschaft halten
Wir beginnen mit einem Thema, das uns in den letzten Jahren alle vermehrt beschäftigt: Wasser. Nicht nur Bäume, sondern ganze Landschaften leiden unter hohen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen. Deshalb gehen wir der Frage nach, wie innovative Pflanz- und Bewirtschaftungsmethoden mehr Wasser in der Landschaft halten. Wir nähern uns dem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und beleuchten in drei Abendveranstaltungen naturnahe Pflanzmethoden.
- In unserer ersten Veranstaltung am 28. September 2026 ab 18.30 Uhr begeben wir uns gleich in ein sehr trockenes Gebiet: Fuerteventura. Betroffen von Bodenerosion und Wüstenbildung beleben Rico Horn und Gerd Meyer ausgelaugte Böden wieder. Mit Terra Preta verbessern sie die Bodenfruchtbarkeit und halten das Regenwasser in der Landschaft. Aber das ist noch nicht alles. Sie kurbeln die Bodenprozesse mit innovativen Etablierungs- und Pflanzmethoden mit einer Vielzahl von Nahrungspflanzen an.
- Auch an unserer zweiten Veranstaltung am 12. Oktober 2026, 18.30 Uhr bleiben wir in sehr trockenen Gebieten und wenden unseren Blick ins südliche Portugal. Hier kämpft António Coelho, Bio-Landwirt und Mitgründer der portugiesischen Initiative Terra Sintrópica, gegen die fortschreitende Wüstenbildung in der extrem trockenen Alentejo-Region an. Dafür ahmt er natürliche Waldökosysteme für seinen Obst- und Gemüseanbau nach. Mit Humus und Mulch senkt er die Bewässerung um 85 Prozent. Das System speichert Feuchtigkeit wie ein Schwamm und hält das rare Regenwasser effektiv in der Landschaft.
- Deutschland ist im Vergleich mit anderen Ländern mit hohen Niederschlagsmengen gesegnet. Trotzdem, leiden auch hier die Bäume und Pflanzen an Trockenheit während der Sommermonate. Wir hören in der dritten Veranstaltung am 26. Oktober 2026 um 18.30 Uhr Urs Mauk, Agrarwissenschaftler und Gründer von ReLaVisio, der beim Wassermanagement auf die Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft setzt. Er schafft es, mehr Wasser im Boden zu halten, indem er gezielt Humus aufbaut und das Bodenleben fördert.
Zur Anmeldung geht es hier.
Nutzen für die Streuobstwiese?
Ich bin Streuobstbewirtschafterin – was soll ich von anderen traditionellen Kulturlandschaften lernen? Wir sind der Meinung: ganz schön viel. Im Streuobst gibt es eine Menge Herausforderungen (Klimawandel, Ökonomie usw.) und eine Menge Lösungen, im Kleinen und im Großen. Und trotzdem finden wir nicht für alle Probleme eine Antwort. Was dabei hilft, ist der Blick über den Tellerrand – auch international. Wie gelingt es, Bäume im trockenen Portugal zu pflanzen? Was lernen wir von modernen Ansätzen wie Permakultur, Marktgärtnerei oder regenerativer Landwirtschaft? Welche Lösungen finden Menschen aus anderen traditionellen Kulturlandschaften und was davon ist übertragbar?
Wer steht dahinter?
Zwei engagierte Expertinnen treiben diese Vision wissenschaftlich voran. Dr.-Ing. Janet Maringer bereitet traditionelle Landschaften mit ihrer Forschung auf die gewaltigen Herausforderungen des Klimawandels vor. Dr. agr. Sophia Philipp konzentriert sich auf die Vermarktung und das Verbraucherverhalten für Produkte aus traditionellen Kulturlandschaften. Zusammen bearbeiten sie vier entscheidende Kernbereiche: Klimaanpassung und Bodengesundheit, Ökosystemleistungen und Biodiversität, Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Kultur, Kunst und Gesellschaft.
Kontakt
Dr.-Ing. Janet Maringer & Dr. agr. Sophia Philipp
Cultural Landscapes Lab
@ Hochstamm Deutschland e.V.
Hornungshof 3–4, 74575 Schrozberg
Schicken Sie uns gerne Ihre Ideen, Erfahrungsberichte und Daten direkt per E-Mail an: institute@hochstamm-deutschland.de