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Nachruf auf ein reiches pomologisches Erbe
Überraschend ereilte den Pomologen-Verein e. V. die Nachricht, dass das engagierte Gründungsmitglied Friedrich Renner nach kurzer, schwerer Krankheit mitten in der pomologischen Hauptsaison, am 9. Oktober 2026, verstorben ist. Der Verein würdigte seine fachlichen Leistungen mit dem Oberdieck-Preis im Jahr 1999. Von seinem Lebenswerk, der umfassenden Sortensammlung in Triesdorf, werden weitere Generationen an Pomologinnen und Pomologen profitieren.
Obstkundler durch und durch
Friedrich Renner war ein Kenner alter Obstsorten. Das war wesentlich mit seiner beruflichen Tätigkeit verbunden. Er war Gärtnermeister in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Mittelfranken in Triesdorf, Landkreis Ansbach. Dort übernahm er 1984 die Aufgabe, Obstbestände aufzusuchen, die bei Flurbereinigungsverfahren durch einen Eigentümerwechsel gefährdet waren. Die Sorten waren zu sichern, und so brachte er die Reiser mit nach Triesdorf, wo bald eine beträchtliche Sammlung entstand. Über Jahrzehnte hat er daran gearbeitet. Das war der Grundstein für das dort neu aufgepflanzte und vielbesuchte „Pomoretum“, eine Sammlung mit ca. 1.200 Apfel-, 300 Birnensorten und weiteren Obstarten. Der Bestimmung und Erkennung widmete er seine Energie, weil er dieser Aufgabe in seiner ihm eigenen Akribie nachkam. Er erarbeitete sich bald eine große Sortenkenntnis.
Von Beginn an ein Teil des Pomologen-Vereins e. V.
Kurz nach der Wende wurde 1991 der Pomologen-Verein e. V. gegründet – mit Friedrich Renner als Mann der ersten Stunde. Durch ostdeutsche Experten wurden die hervorragenden Kenntnisse der Pomologie nun auch im Westen bekannt. Renner selbst galt als ausgewiesener Kenner vor Ort. Seine Kenntnisse und die fruchtbare Zusammenarbeit würdigten der Pomologen-Verein e. V. und die Stadt Naumburg (Hessen) mit der Verleihung des ersten Oberdieck-Preises 1999.
Gesellschaft für Pomologie und Obstsortenerhaltung
Friedrich Renner gründete 2004 in enger Zusammenarbeit mit dem Landesverband für Gartenbau und Landespflege einen eigenen bayerischen Verein: die Gesellschaft für Pomologie und Obstsortenerhaltung (GPO). Dieser organisierte auch die europäische Obstsortenausstellung EUROPOM im Jahr 2005 in München. Seine, in den Landkreisen durchgeführten Landesobstsortenausstellungen mit über tausend Proben, waren sehr beliebt und viel besucht. Solange er auf die reichhaltige Sammlung in Triesdorf zurückgreifen konnte, war dies möglich.
Immer unterwegs zur Sortenbestimmung
Unermüdlich war er in Franken unterwegs, die Anfragen auf Sortenbestimmung zu bedienen. Aber auch die Erntedankausstellung im Botanischen Garten München Nymphenburg bereicherte er jedes Jahr mit seinen pomologischen Kenntnissen. Sein Weg führte ihn auch ab 2010 jedes Jahr nach Hamburg zu den Norddeutschen Apfeltagen. Selbst bei den Jubiläumsveranstaltungen zu „20 Jahre GPO“ war er zeitweise anderweitig unterwegs, um dort Bestimmungswünschen nachzugehen. Seine Studien führte er engagiert weiter und sammelte einen großen Schatz an Fachliteratur.
Diesen Nachruf schrieb Friedhalm Haun, 3. Vorsitzender des Pomologen-Verein e. V.