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Mit digitalen Kniffen und klugen Wegen die Effizienz kleiner Mostereien erleichtern
Saft aus dem eigenen Obst ist eine schöne Sache. Viele kleine und größere Keltereien bieten Streuobstbewirtschafterinnen und -bewirtschaftern an, ihr Obst zu pressen und den eigenen Saft mit nach Hause zu nehmen (s. auch Bundesweite Mostereienübersicht). Doch in obstreichen Jahren sind oft nicht genügend Termine bei den Mostereien vorhanden. Lange Warteschlangen oder Absagen sind für Kunden und Mostereien belastend. Lässt sich das ändern?
Dominic Sonntag von der Mosterei SonntagsSAFT GmbH in Possendorf bei Dresden (Sachsen) hatte im vielerorts so überreichen Obstjahr 2025, sehr viel zu tun. Doch durch viele kleine Digitalisierungsschritte, die er in den letzten Jahren in seinem Betrieb durchgeführt hat, steigerte er die Effizienz seiner Kelterei. Sechzig bis achtzig Kundinnen und Kunden macht der Betrieb im Schnitt an einem Tag mit eigenem Saft glücklich. In einem ausführlichen Gespräch teilte er seine Erfahrung mit den Streuobst-News. Wir bedanken uns für seine Zeit und Offenheit und haben sein geteiltes Wissen zusammengefasst.
Der Betrieb
2012 gründete die Familie Sonntag eine kleine Kelterei, um aus ihrem eigenen Streuobst Saft zu bereiten. 2021 investierten sie noch einmal in neue Maschinen. Dominic Sonntag ist im Hauptberuf Softwareentwickler und hat Freude daran, sein Wissen aus dieser Arbeit in der Mosterei praktisch umzusetzen. Er probiert vieles aus und wird kreativ. Doch es sind nicht nur Spielereien. Digitalisierte Prozesse steigern die Effizienz des Betriebs deutlich. So stellt der kleine Betrieb mittlerweile bis zu 10.000 Liter Saft pro Tag her. Bei der Abfüllung in Fünf-Liter-Boxen ist eine Stundenleistung von 1.500 Litern möglich. Dafür sind, bei Hochbetrieb, immer sechs bis acht Personen im Einsatz. Dass der Betrieb so effizient arbeitet, ermöglichen eine Vielzahl kleiner Faktoren: gute Maschinenauslastung, Maschinenvernetzung und moderne Technik.
Eine gute Maschinenauslastung
Der Betrieb bietet seiner Kundschaft die Möglichkeiten an, das Obst mit oder ohne Termin abzugeben. Feste Termine buchen die Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter online. Dafür wählen sie auf der Internetseite einen Tag und eine Uhrzeit für ihre Obstabgabe. Dieser Termin sollte möglichst genau eingehalten werden, was in der Regel auch gut funktioniert. Das abgegebene Obst verarbeitet die SonntagsSAFT GmbH spätestens am nächsten Werktag. Zusätzlich hat die Kundschaft die Möglichkeit, ihr Obst auch ohne Termin abzugeben. Dafür stehen eine gewissem Mengen Kisten bereit, die die Kundinnen und Kunden selbst befüllen. In diesem Fall verspricht das Unternehmen, dass es das Obst innerhalb der nächsten drei Tage verarbeitet.
Vorteil dieses Systems ist die Flexibilität, die zu einer hohen Auslastung der Maschinen führt. Wenn ein Kunde nicht ganz pünktlich abliefert, verarbeitet die Mosterei das Obst einer anderen Kundin, die ohne Termin geliefert hat. Über die Anzahl bereitgestellter Termine und Kisten für die Selbstabgabe steuert der Betrieb somit die zu verarbeitenden Obstmengen. Die Kundinnen und Kunden holen den Saft zu einem vereinbarten Termin wieder ab - eine wichtige Maßnahme, um das Verkehrsaufkommen am Hof zu steuern. Die Abholtermine sind ebenfalls online buchbar. Alternativ steht der Saft in einer Abholstation, ähnlich einer Paket-Station, bereit.
Eine intelligente Maschinenvernetzung
Die größte Effizienzsteigerung bewirkte eine intelligente Maschinenvernetzung. Dominic Sonntag schätzt, dass er dadurch seine Kapazität um fünfzig Prozent steigerte. Wie sieht eine solche intelligente Maschinenvernetzung aus? Sonntag beschreibt es anhand des Weges, den das Obst während der Verarbeitung nimmt.
Die Kundschaft füllt ihr Obst in eine Kiste. Wenn das Obst für die Verarbeitung an der Reihe ist, fotografieren Beschäftigte der Kelterei die Kiste. Dies, eher eine Spielerei, ist dafür gedacht einen Beweis zu haben, wenn der Kunde mit dem Saft nicht zufrieden ist. Anschließend entleert ein Mitarbeiter die Kiste mit einem Gabelstapler in einen Bunker. Von hier läuft der gesamte Verarbeitungsprozess bis zur Abfüllung automatisch. Ein Elevator befördert das Obst weiter. Durch eine Waage unter dem Bunker und Lichtschranken am Elevator erkennt Sonntag und sein Team, wann der Bunker leer ist und er erneut befüllt werden kann.
Als nächstes wandern die Äpfel durch ein Wasserbecken und werden beim Weitertransport zusätzlich mit Frischwasser abgesprüht. Damit kein „fremder“ Apfel der vorherigen Tranche in den Saft kommt, achtet Sonntag darauf, dass das gesamte Obst aus dem Wasserbecken weitertransportiert wird. Er verwendet dafür einen simplen Trick: Wenn das System erkennt, dass nur noch ein Rest des Obstes im Becken ist, senkt sich der Wasserstand, sodass das Förderband alles mitnimmt. Im folgenden Schritt wandert das Obst weiter durch Maischer und Bandpresse. Nach dem Pressen lagert die Mosterei den Rohsaft zunächst in Pufferbehältern zwischen. Diese Zwischenspeicherung ermöglicht eine flexible Entkopplung der einzelnen Prozessschritte: Zentrifuge, Erhitzer und Abfüllung arbeiten unabhängig vom Presstakt. Um Trub zu verringern zentrifugiert die Kelterei den Saft. Anschließend pasteurisiert ein Röhrenwärmetauscher den Saft, bevor er heiß abgefüllt wird.
Guter Kundenservice mit KI-Hilfe
Mostereikolleginnen und -kollegen legt Dominic Sonntag eine seiner neusten Verbesserungen ans Herz: eine KI beantwortet eingehende Kunden-Mails. Wenn eine Kundenanfrage per Mail kommt, verfasst eine KI, basierend auf vorherigen Antworten, eine Mail. Sonntag bekommt daraufhin eine Benachrichtigung. Er kann die KI-Antwort bearbeiten oder auch direkt abschicken. Schnelle Antworten stellen die Kundschaft zufrieden und Sonntag hat die Möglichkeit am Abend ausführlich antworten, wenn nötig. Bei bis zu fünfzig Mailanfragen am Tag ist es anders nicht zu schaffen. Das nächste Projekt von SonntagsSAFT ist ein KI-Telefonassistent.
Effizienz ist nicht alles
Qualität und eine gute Kundenbetreuung stehen im Vordergrund. Die Bandpresse lässt Sonntag bewusst nur mit dreißig bis vierzig Prozent der möglichen Geschwindigkeit laufen, um eine möglichst gute Ausbeute zu erzielen. Auch wenn er in der Kundenkommunikation durch die Onlineterminvergabe und den KI-Assistenten viel Zeit eingespart, betont Dominic Sonntag, wie wichtig ihm der persönliche Kontakt zur Kundschaft ist: „Die digitalisierten Prozesse sollen allen zugutekommen: Mitarbeiter und Kunden profitieren von schnellen, reibungslosen Abläufen. Und trotzdem bleibt die Menschlichkeit erhalten.“
Individuelle Lösungen für andere Mostereien
Je nach Situation einer Mosterei sind verschiedene Schritte sinnvoll, um effizienter zu arbeiten. Dominic Sonntag bietet seine Expertise bei Digitalisierungsschritten auch für andere Mostereien an. In einem kostenlosen Erstgespräch stellt er gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen die nötigen Schritte fest. Danach legt Dominic Sonntag den Preis für seine Leistung fest. Für eine solche Unternehmensberatung ist eine Förderung möglich. Neben seinen üblichen Aufgaben als Softwareentwickler machen ihm die Aufträge von Mostereien besonders viel Spaß. Streuobst ist für ihn einfach ein Herzensthema.
Und zu guter Letzt fragt Streuobst-News noch tiefer nach
Streuobst-News (SN): Wirtschaftliches Hobby oder Nebenerwerb?
Dominic Sonntag (DS): Definitiv kein Hobby – ein spannendes Unternehmen, in dem ich viel ausprobieren kann
SN: Saftpressen oder Programmieren?
DS: Die Kombination: programmieren, um besseres Saftpressen zu ermöglichen
SN: Natur oder Technik?
DS: Natur
SN: Eigener Saft oder Lohnmosten?
DS: Lohnmosten
Kontakt
Dominic Sonntag
SonntagsSAFT GmbH
Kreischaer Straße 8A
01728 Bannewitz
Telefon: 035206 454000
E-Mail: dominic.sonntag@sonntagssaft.de
Web: https://www.sonntagssaft.de
Instagram: @sonntagssaft