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Klimawandel im Streuobstbau: neue Konzepte
Der Sommer ist vorbei, doch er ist nicht spurlos an unseren Streuobstwiesen vorbeigegangen. Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen den Bäumen spürbar zu. Wie können sich Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter auf diese Veränderungen einstellen? Das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee (KOB) stellt auf seiner Website aktuelle Zukunftskonzepte vor, prüft sie auf ihre Praxistauglichkeit und bewertet deren Chancen und Grenzen für die Praxis. Die Streuobst-News geben eine Übersicht über die verschiedenen Konzepte:
Sortenwahl und neue Unterlagen
Welche Obstsorten dem Klimawandel tatsächlich am besten trotzen, lässt sich derzeit noch nicht verlässlich vorhersagen. Wirtschaftlich ausgerichtete Anbaukonzepte konzentrieren sich vor allem auf Ertrag sowie Verwertung und bevorzugen starkwüchsige Sorten mit großen Kronen. Demgegenüber setzen alternative Ansätze auf eine breite Vielfalt von Sorten und Arten: Diese Vielfalt stärkt die Biodiversität und schützt vor Totalausfällen bei Extremwetter, erschwert allerdings eine rationelle Bewirtschaftung.
Die Unterlage entscheidet maßgeblich darüber, wie gut die Wasserversorgung des Baumes in Dürreperioden funktioniert. Um ein tiefgehendes Wurzelsystem zu entwickeln, erproben Fachleute neue, anpassungsfähige Unterlagen sowie Anzuchtverfahren ohne Wurzelschnitt. Das KOB warnt jedoch vor voreiligen Versprechungen: Die Bezeichnung „klimafit“ für Unterlagen täuscht einfache Lösungen vor, wo langjährige Praxistests und gesicherte Erkenntnisse noch fehlen.
Anzucht von Hochstämmen
Das übliche Unterschneiden und Verpflanzen in der Baumschule soll bei neuen Verfahren vermieden werden. Bei der Direktsaat säen Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter die Unterlagen direkt auf der Wiese aus und veredeln sie vor Ort. Beim Air-Pruning wachsen Jungpflanzen in Netzbehältern auf. Sobald dort Wurzelspitzen mit Luft in Kontakt kommen, sterben sie ab, was Ringwurzeln verhindert und verzweigte Seitenwurzeln fördert. Das KOB betont jedoch den hohen Arbeitsaufwand und weist darauf hin, dass Sämlinge nach der ersten Phase überwiegend seitlich statt in die Tiefe wurzeln.
Ammenbaum oder Baumscheibe
Im wirtschaftlichen Anbau halten Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter die Baumscheibe bewuchsfrei, um Wasser- und Nährstoffkonkurrenz zu vermeiden. Alternative Konzepte setzen hingegen auf Pflanzengemeinschaften mit Stauden, Ammenbäumen wie Erlen, „Affoltersysteme“ oder „Pocket-Forests“. Bei dichten Pflanzungen mit Arten wie Roterlen entsteht bei Trockenheit jedoch schnell Wassermangel. Auch KOB-Versuche mit einjährigen Pflanzen wie Kapuzinerkresse oder Dichondra hemmten das Baumwachstum eher. Das Abdecken der Baumscheibe mit Grasschnitt hielt die Feuchtigkeit dagegen gut.
Alternative Obstarten und Wildobst
Trockenheits- und hitzetolerante Arten wie Aprikosen, Walnüsse, Esskastanien, Maulbeeren, Elsbeeren oder Speierling ergänzen das Sortiment. Manche Arten sind jedoch spätfrostgefährdet oder benötigen viele Jahre bis zu Erträgen. Die Artenvielfalt schützt vor Totalausfällen und stärkt die Biodiversität, erschwert aber eine rationelle Bewirtschaftung. Neue Verwertungswege über Direktvermarktung, Eigenverbrauch oder Solidarische Landwirtschaft (Solawi) bieten Spielraum abseits klassischer Mostereien.
Intensivierung vom Streuobstbau und neue Anbausysteme
Wirtschaftliche Konzepte wollen den Streuobstanbau wieder als verlässliche Einnahmequelle etablieren. Um Pflege und Ernte maschinell zu erleichtern, verzichten sie bewusst auf eine große Sortenvielfalt. Ein Beispiel dafür ist das „Hochstamm-Produktions-System“. Es setzt auf sogenannte „Superhochstämme“ – das sind besonders hohe Bäume mit einer Stammhöhe von 2,20 m bis zu 12 Metern (bei Äpfeln 2,40 m). Sie sollen über hundert Jahre alt werden, sowohl Früchte als auch Wertholz liefern und weitgehend maschinell mit Unterstützung von KI oder Drohnen bewirtschaftet werden.
Dem stehen alternative Systeme gegenüber – wie etwa Schattenbäume (zum Beispiel Walnuss oder Elsbeere), Agroforst-Kulturen oder vielschichtige Waldgärten. Solche Modelle erfordern jedoch viel Handarbeit, verändern das gewohnte Landschaftsbild und brauchen eine genaue Planung vor Ort
Quelle
Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee (KOB): Klimawandel im Streuobstbau. Online unter: https://www.kob-bavendorf.de/klimawandel-im-streuobstbau.html