Was gibts Neues?
Themen, Ideen, Termine und viele weitere spannende Nachrichten aus unserem weitverzweigten Netzwerk - wenn es etwas Neues gibt, lesen Sie es hier.

Klimafitte Unterlagen bereit für die Pflanzung
Engagierte Streuobstbewirtschafterinnen und -bewirtschafter suchen nach klimafitten Bäumen. Die AG Wurzel und weitere Projektpartner bieten sie – zumindest die grundlegende Basis hierzu. Ab sofort finden Interessierte Sämlinge in Netzlingen (Pflanzpatronen) von verschiedenen Apfel- und Birnensorten. Die Übersicht aller vorhandener Sorten sowie die Bestellmöglichkeit gibt es hier.
Welche Setzlinge gibt es?
Die Projektpartner stellen fünf Birnensorten und sechs Apfelsorten zur Verfügung. Wie sie aufgezogen wurden, ist in einem Video festgehalten. Gesammelt haben sie Mitglieder der AG Wurzel in ganz Deutschland und der Schweiz. Aufgewachsen sind sie in der Baumschule Botanik in Weißenburg (Bayern) in sogenannten Pflanzpatronen. Diese bewirken ein gutes Wurzelwachstum. Die Auswahl der Sorten beruht auf einer systematischen Recherche in historischer Literatur zu Apfel- und Birnensorten.
Was geschieht mit den Sämlingen? Wie funktioniert die Pflanzung?
Grundsätzlich gilt: Die Setzlinge werden in Affoltern gepflanzt. Eine Anleitung zur Pflanzung gibt es auf dem Youtube-Kanal von Hochstamm Deutschland e.V. in mehreren Videos. Die Pflanzung sollte bis Anfang September erfolgen. Um eine möglichst hohe genetische und unterirdische Vielfalt zu fördern, empfiehlt die AG Wurzel, an einem Standort mehrere verschiedene Unterlagen zu testen. Langfristige Erfahrungen mit den sogenannten Sämlingsunterlagen (Ausnahme Bittenfelder und Kirchensaller Mostbirne) liegen z.T. nur aus historischer Literatur vor. Für die meisten Unterlagen gibt es jedoch keine langfristigen wissenschaftlichen Untersuchungen.
Bei der Pflanzung gilt es, die standörtlichen Ansprüche der jeweiligen Obstgehölze an Boden, Klima und Lage zu berücksichtigen. Nicht geeignet sind stark lehmige oder steinige Böden, Moorstandorte sowie Flächen mit einem Grundwasserstand oberhalb von 70 cm. Ebenfalls nachteilig sind verdichtete Schichten im Unterboden, da sie das Wurzelwachstum stark einschränken.
Für wen sind die Sämlinge geeignet? Was ist der Vorteil von Pflanzpatronen?
Streuobstbewirtschafterinnen und -bewirtschafter, die klimafitte Bäume erzielen wollen, sind die passende Zielgruppe für die Sämlinge. Wichtig ist, dass die Pflanzung – im Gegensatz zur üblichen Pflanzzeit im Herbst – im Frühsommer stattfindet. Die Bäume bzw. die Affolter selbst sind in der Folge pflegeleicht und müssen nicht gegossen werden. Daher eignet sich das System auch für bewirtschaftende Personen mit begrenzter Zeit und Wasservorrat am Pflanzort. Die Pflanzung von jungen Setzlingen in Pflanzpatronen hat den Vorteil, dass sich die jungen Pflanzen von frühem Stadium an ihren letztlichen Standort angewöhnen. Durch die luftdurchlässigen Pflanzpatronen entsteht ein gut ausgebildetes Wurzelwerk, ohne dass die Wurzeln verdreht sind oder gestört werden.
Wo erhalte ich die Sämlinge?
Die Übersicht der vorhandenen Apfel- und Birnensorten gibt es auf der Homepage der AG Wurzel. Die Sämlinge kosten 5,90 Euro pro Stück. Zur Übersicht der Sämlinge in Netzlingen scrollen Interessierte an das Ende der Seite. Bestellungen geben sie über das Bestellformular (bitte Stückzahl, Sorte, Name und Adresse angeben). Wichtig: Damit Sie langfristig wissen, welche Unterlagen gut für Ihren Standort geeignet sind, verwenden Sie die Sepp-App. Mit dieser verorten Sie den Baum geographisch mit dem jährlichen Zuwachs. Ihre Daten sind nur von Ihnen einsehbar und werden am Ende des Projektes anonymisiert ausgewertet. Das hilft Ihnen und langfristig auch der ganzen Streuobst-Gemeinschaft.
Im Projekt arbeitet die AG Wurzel eng mit fünf Baumschulen zusammen, die unterschiedliche Sämlingsunterlagen verschiedener Sorten aufziehen. Es handelt um Saatgut von (sehr) starkwüchsigen, alten und robusten Sorten. Sie benötigen dementsprechend Platz. Die Preise pro Sämling variieren je nach Aufzuchtssystem (Air-Pruning, Netzlinge (Pflanzpatronen), konventioneller oder biologischer Anbau). Alle Sämlinge sind unveredelt.
Hintergrund: Sepp-App Projekt
Der Klimawandel macht auch vor dem Streuobstbau nicht halt. Längere Trockenphasen, Extremwetter und sich verändernde Standortbedingungen stellen Bäume und Bewirtschaftende zunehmend vor Herausforderungen. Um den Streuobstbau fit für die Zukunft zu machen, startete Ende 2025 das Projekt „Klimafitte Unterlagen für den Streuobstbau - App-gestützte Begleitung von Freiland-Tests“. Eine wichtige Rolle spielt die digitale Unterstützung durch die SEPP-App. Diese App, in einem vorherigen Projekt entwickelt, wird nun in diesem Projekt erweitert. In Zukunft erfassen die Nutzerinnen und Nutzer damit auch Daten zu Wurzelentwicklung, Keimrate, Stressverhalten und Pflegezustand der neuen Unterlagen. So entsteht eine wertvolle Datengrundlage, die über viele Jahre hinweg Aufschluss darüber geben kann, welche Unterlagen sich langfristig bewähren.
Neben der Anzucht neuer Sämlinge werden im Projekt auch sogenannte Methusalembäume untersucht – alte, besonders vitale Apfel- und Birnbäume, deren genetische Eigenschaften Hinweise auf robuste, standortangepasste Wurzelunterlagen liefern. Darüber hinaus kann es Hinweise auf Sorten-Unterlagen Kombinationen geben, die etwa dem Birnenverfall gegenüber robuster sind.