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Jugend für Streuobst begeistern: Studie zeigt neue Wege auf
Wie gewinnen wir junge Menschen für das Streuobst-Ehrenamt? Eine aktuelle Studie der Jugendstiftung Baden-Württemberg im Auftrag des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum liefert spannende Antworten und praxisnahe Lösungsansätze. Wir bereiten die wichtigsten Erkenntnisse der Studie „Lust auf Ehrenamt wecken“ nun zusammen mit der Studienleiterin Stefanie Wichmann exklusiv in dieser Rubrik auf und blicken auf die Bedeutung für unsere Streuobstwelt.
Familie als größter Türöffner
Die Studie befragte fast 2.000 junge Menschen im Ländlichen Raum in Baden-Württemberg. Ein zentrales Ergebnis: Die Familie prägt das Engagement enorm. Über die Hälfte der aktiven Jugendlichen fand den Weg ins Ehrenamt über die eigene Familie oder den Freundeskreis. Engagieren sich bereits Familienmitglieder, übernehmen 62 Prozent der Jugendlichen ebenfalls ein Ehrenamt. Ohne dieses familiäre Vorbild sinkt die Quote auf lediglich 17 Prozent.
Zeitdruck und Alterslücke als Hürden
Viele junge Menschen scheuen ein Engagement. Die größte Hürde stellt die hohe zeitliche Belastung dar. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt den Zeitmangel durch Schule und Freizeitstress als Problem. Eine weitere Herausforderung: Ein Drittel der engagierten Jugendlichen empfindet den großen Altersunterschied zu älteren Ehrenamtlichen als schwierig.
Großes Potenzial wartet auf Ansprache
Die gute Nachricht lautet: Über ein Drittel der aktuell nicht engagierten Jugendlichen zieht ein künftiges Ehrenamt in Betracht. Viele machten sich schlichtweg noch keine Gedanken darüber oder es fehlen ihnen die nötigen Informationen. Junge Menschen wünschen sich diese Informationen vor allem über die Schule oder über Social Media. Materielle Motive stehen bei der Entscheidung für ein Ehrenamt übrigens nicht im Vordergrund. Vielmehr treiben soziale Aspekte die Jugend an: Sie helfen gerne anderen Menschen, machen neue Erfahrungen oder verbringen Zeit mit Freunden. Dennoch erhoffen sie sich als Anerkennung persönliche oder finanzielle Vorteile.
Was bedeutet das für die Streuobst-Praxis?
Die Studienergebnisse liefern uns Ideen für die Streuobstwiese:
- „Häppchen-Ehrenamt“ anbieten: Zeitlich begrenzte Projekte reagieren flexibel auf den Zeitmangel junger Menschen. Gezielte Einsätze, beispielsweise beschränkt auf die Erntewochen, binden Jugendliche ohne langfristige Verpflichtung.
- Familien direkt ansprechen: Kurze, familienfreundliche Aktionen bauen Berührungsängste ab und begeistern ganze Generationen. Niederschwellige Einstiegsprojekte ersetzen dabei starre Vereinsstrukturen.
- Persönliche Vorteile schaffen: Ein offizielles Zertifikat, etwa für die Teilnahme an einem Fachwartkurs, wertet den Einsatz auf und bereichert die späteren Bewerbungsunterlagen der Jugendlichen.
- Mithilfe finanziell belohnen: Taschengeld-Börsen oder Aufwandsentschädigungen für die Hilfe bei der Ernte oder Baumpflege signalisieren direkte Wertschätzung für die geleistete Arbeit.
- Sonder-Rabatte verteilen: Kooperationen mit lokalen Partnern schaffen zusätzliche Anreize. Jugendliche Helfer erhalten kostenlose Säfte, vergünstigte Kinotickets oder Rabatte in der örtlichen Bäckerei.
- Schulen als Partner gewinnen: Die aktive Vernetzung mit Bildungseinrichtungen bringt das Thema direkt in den Unterricht. Vereine und Schulen gründen gemeinsam attraktive Arbeitsgemeinschaften (AGs), die von jungen Engagierten mitgestaltet werden.
Zur Studie
Jugendstiftung Baden-Württemberg (2026): Lust auf Ehrenamt wecken. Online unter: https://www.jugendstiftung.de/onlineshop/lust-auf-ehrenamt-wecken/