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Historische Sorte als Antwort auf aktuelle Herausforderungen?
Verschiedene Organisationen wählen jährlich eine Sorte des Jahres um besondere, in Vergessenheit geratene Sorten wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Zum Nachlesen hier die Streuobstsorten des Jahres 2025. In diesem Jahr stellen wir die Sorten des Jahres einzeln vor. So erweitern wir unser Sortenwissen Stück für Stück. Die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, FRUCTUS, hat in diesem Jahr eine Sauerkirschsorte zur Sorte des Jahres der Schweiz ernannt: das Hallauer Aemli.
Alte Sauerkirsche mit starker Verbreitung
Das Hallauer Aemli ist eine der wenigen, in fast der gesamten Schweiz weit verbreiteten Sauerkirschsorten. Erstmals beschrieb Prof. Fritz Kobel die Sorte 1937 in dem Werk “Kirschensorten der Schweiz“. Ein vermehrtes Vorkommen im Kanton Schaffhausen weist darauf hin, dass die Sorte dort entstand. Vermutlich handelt es sich um einen Zufallssämling. Auch im Erwerbsanbau fand die Sorte Verwendung. Die Anbaufläche die im Jahr 2000 noch ca. 140 Are (=1,4 ha) betrug, ist jedoch bis 2025 auf ca. 13 Are (0,13 ha) geschrumpft.
Die Besonderheiten der Hallauer Aemli
Die Sorte fällt durch regelmäßigen und guten Ertrag auf. Die kleinen Früchte sind für die Aemli-Gruppe vergleichsweise groß und weniger herb als andere Typen. Die Früchte sind gleichmäßig hellrot gefärbt mit cremeweißem Fruchtfleisch und rosa bis farblosem Saft. Als saure und eher frühe Verarbeitungs- und Tafelkirsche ist sie im Obstgarten eine vielseitige Ergänzung.
Sauerkirschen gelten grundsätzlich als anspruchslos. Sie gedeihen auch auf kargeren Böden und kommen mit schattigeren Lagen besser zurecht als viele andere Obstgehölze. Das Hallauer Aemli bestätigt diesen Ruf und eignet sich auch für Standorte an einer Nordfassade oder in höheren Lagen. Der kleine, unkomplizierte Baum eignet sich aufgrund seiner Selbstfruchtbarkeit auch als Einzelbaum. Gegenüber Krankheiten zeigt sich das Hallauer Aemli insgesamt als robust. Blütenmonilia kann, wie bei allen Sauerkirschen, in feuchten Blütephasen auftreten, ebenso gelegentlich Schrotschuss.
Ein Kirschanbau ist trotz Kirschessigfliege möglich
Die Kirschessigfliege hat den Kirschenanbau grundlegend verändert. Die aus dem asiatischen Raum eingewanderte Art legt ihre Eier in reifende Kirschen, welche in Folge faulen und nach Essig riechen. Hochstammkirschen sind kaum mehr tragbar, im Privatgarten verschwinden sie zunehmend. Sorten wie das Hallauer Aemli zeigen, dass gerade im Privatgarten diese Kirschentradition noch nicht verloren ist. Die geringe Baumgröße ist ein entscheidender Vorteil der Sorte: Der Baum lässt sich mit vertretbarem Aufwand einnetzen und damit vor Befall durch die Kirschessigfliege schützen.
Quelle und weitere Informationen
Fructus (2026). Obstsorte des Jahres 2026. Das Hallauer Aemli. https://www.fructus.ch/hallaueraemli_odj26/