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Frische Triebe für alte Bäume: Wie wir das Wissen um unsere Obstsorten an junge Menschen weitergeben
Viele junge Menschen haben wenig Bezug zur Natur. Vereine, wie der Pomologen-Verein e.V., haben viele ältere Mitglieder. So gehen mit der Zeit immer mehr Obstsorten, Handwerkskönnen und Wissen verloren. Wie bringen Obstbegeisterte die Gesellschaft und das reiche Fruchterbe wieder näher zusammen? Dieser Frage ging ein Projektteam, bestehend aus dem niederländischen pomologischen Kollektiv POMOKO, zwei belgischen Schulen, einer belgischen Innovationsagentur aus den Niederlanden und dem belgischen Zentrum für landwirtschaftliches Kulturerbe in einem durch Erasmus+ geförderten Projekt nach. Ihr Ansatz im Projekt „Fruitful Synergy“: Veränderung kann keiner befehlen. Deshalb: zuhören, mitgestalten, verbessern.
Warum ist es wichtig das Erbe des traditionellen Obstbaus zu erhalten?
Das Wissen über historische Obstsorten und die dazugehörigen Handwerkskünste (Veredelung, Baumschnitt und Pflege) geht in Europa immer mehr verloren. Dies ist nicht nur ein wertvolles kulturelles Erbe, sondern bietet auch einen Schlüssel zu ökologischen Lösungen für eine nachhaltige und artenreiche Zukunft.
Die erste Phase des Projekts: zuhören
Erst einmal zuhören – das war die Idee der Projektpartnern. Sie stellten Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern verschiedene Fragen, um Antworten auf ihre Projektfragen zu finden: Wie „verlieben“ sich junge Menschen in das Obsterbe? Warum ist das Handwerk des traditionellen Obstbaus in der Ausbildung verschwunden? Die Probleme in der Weitergabe des Wissens fassen die Projektpartner so zusammen: Junge Menschen haben oft keine familiäre Bindung und Bezug zum Obstbau und in den Lehrplänen ist kein Patz dafür vorgesehen.
In einer Umfrage dazu, wie Vereine und andere Initiativen junge Menschen wieder vom mit dem traditionellen Obstbau begeistern, beteiligten sich 180 Jugendliche und 412 Erwachsene. Die drei bevorzugten Möglichkeiten der Jugendlichen waren:
- Lerncamps für Kinder zu Obstanbau
- Baumschnitt in einer virtuellen Welt erlernen
- In der eigenen Umgebung Bäume pflanzen und diese versorgen
Die meisten Erwachsenen stimmten für:
- Obstanbau in den Lehrplan an Grundschulen integrieren
- Obstbauexpertinnen und -experten bringen den Schülerinnen und Schülern praktisches Wissen bei
- Zertifizierte Schulungen für Handwerkstechniken des Obstanbaus wie Baumschnitt, Veredlung und Spaliererziehung
Die zweite und dritte Phase- mitgestalten, Handlungsschritte definieren und verbessern
In weiteren Gesprächen arbeitete das Projektteam gemeinsam mit den Beteiligten an den Schulen verschiedene Lösungsansätze heraus. Am Ende standen drei Maßnahmen, die dabei helfen, jungen Menschen den traditionellen Obstanbau wieder näher zu bringen:
- Machbarkeitsstudie zur Integration von Modulen zum traditionellen Obstbauhandwerk (Schnitt, Veredelung, Spaliererziehung, Obstgartenbau) in agrar- und gartenbauliche Schulen
- Eine Lehrplanänderung mit praxisnahen Einheiten zum Thema an Grundschulen.
- Traditionellen Obstanbau in non-formale Bildung integrieren und strategische Kontaktaufnahme mit Jugendbewegungen
Die Erfahrungen des Projekts in einem Leitfaden
Das Projektteam erstellte einen Leitfaden, der zeigt, wie Initiativen, Vereine und weitere Begeisterte immaterielles Kulturerbe gut kommunizieren - basierend auf ihren eigenen Erfahrungen. Gedacht ist er für alle, die traditionelles Erbe mit Innovationen der Nachhaltigkeit verbinden. Der Leitfaden unter dem Motto „Von der Tradition zu Veränderung“ hilft Gemeinschaften ihr lebendiges kulturelles Erbe mit Nachhaltigkeit und den klimatischen Herausforderungen zu verbinden und so in praktische zukunftsorientierte Praktiken umzuformen. Dabei sieht es das Team als besonders wichtig an, verschiedene Menschen und Gruppen einzubinden und auf lokaler Ebene gemeinsam Lösungen für bestehende Probleme zu erarbeiten. Erster Schritt ist, Wissen zu sammeln, Probleme zu beleuchten und dann gemeinsam Lösungsoptionen zu erarbeiten. Die Beteiligten bewerten daraufhin, wie groß der Effekt der einzelnen Optionen bei der Problemlösung sein könnte und wie hoch dem gegenüber dem Arbeitsaufwand ist. Auf dieser Einstufung basierend wählen die Beteiligten drei Maßnahmen aus und planen deren Umsetzung. Für gelungene Projekte bedarf es genügend Zeit, Unvoreingenommenheit, eine gleichwertige Einbindung aller Beteiligten und eine realistische Kommunikation über den Umfang des Projekts.
Die beteiligten Organisationen
POMKO aus Belgien als führende Organisation
Das pomologische Kollektiv POMKO setzt sich in Belgien für die Suche, den Schutz und die Bewahrung des Erbes alter Obstsorten ein.
Webseite: Home | Pomko vzw
DOON aus den Niederlanden
DOON ist eine Innovationsagentur an der Schnittstelle von Bildung und Wirtschaft. Gemeinsam mit ihren Partnern organisiert die Agentur Veranstaltungen, bei denen junge Menschen und Berufstätige ihr Potenzial, ihre Talente und Stärken entdecken und in Teams gemeinsam Lösungen für gesellschaftlich relevante Herausforderungen entwickeln.
Webseite: Innovatiebureau
CAG – Centrum Agrarische Geschiedenis aus Belgien
Centrum Agrarische Geschiedenis ist das belgische Zentrum für landwirtschaftliches Kulturerbe. Das CAG erforscht die Geschichte und das Erbe der Landwirtschaft, der Ernährung und des ländlichen Lebens von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis heute.
Webseite: Centrum Agrarische Geschiedenis (CAG) · Home
PTI Kortrijk aus Belgien
Die PTI Kortrijk ist eine Landwirtschafts- und Gartenbauschule in der Stadt Kortrijk. Die Stadt Kortrijk liegt in der Provinz Westflandern, im Nordwesten Belgiens.
Webseite: PTI West-Vlaanderen – Maak je wereld
PTS Mechelen aus Belgien
Die PTS ist eine Schule in der Stadt Mechelen. Diese liegt im Süden der belgischen Provinz Antwerpen. Die Schule bietet wissenschaftliche und technische Ausbildungen in den Bereichen STEM (Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik) sowie Landwirtschaft und Gartenbau an.
Webseite: PTS Mechelen
Weitere Informationen
Projektkoordination:
Jeroen Delmotte
Pomko vzw
info@pomko.be
+ 32 (0)486 51 12 10