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DivMoSt Endbericht: Artenvielfalt Top, Pflege flop?
Das österreichische Projekt “DivMoSt” (Biodiversitätsmonitoring von Streuobstflächen) hat die österreichischen Streuobstbestände detailliert unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse des Endberichts zeigen den hohen ökologischen Wert unserer Streuobstwiesen, decken aber auch deutliche Defizite bei der Pflege und Verjüngung der Bestände auf. Ein Team, unter anderem aus Forscherinnen und Forschern der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien und von Streuobst Österreich e.V., verknüpften dafür klassische Feldkartierungen mit modernen Methoden der Fernerkundung.
Die Ziele des Projektes
Das Projekt verfolgte zwei Hauptziele: Zum einen sollte eine Methode entwickelt werden, um Streuobstflächen flächenhaft abzugrenzen und künftig automatisiert - beispielsweise über Satellitenbilder - erkennbar zu machen. Zum anderen zielte das Projekt darauf ab, ergänzende Daten für wichtige tierische Indikatorengruppen (Wildbienen, Tagfalter, Fledermäuse und Vögel) zu erheben. Damit hat das Projekt die bestehenden Biodiversitätsmonitorings in Österreich in ihrem räumlichen und zeitlichen Detailgrad verbessert und bisherige Wissenslücken geschlossen.
Methodik: So erhoben die Projektpartner die Daten
In 23 repräsentativen Testgebieten quer durch Österreich erhoben die Forscherinnen und Forscher in 46 Landschaftsausschnitten (je 1km2) insgesamt 1.170 Streuobstpolygone (= einzelne Wissenstücke) und rund 5.900 Einzelbäume im Gelände. Sie erfassten dabei Parameter wie das Bestandsalter, die Pflegeintensität und den Mistelbefall. Die im Feld gesammelten Daten dienten als Trainingsgrundlage für einen “Random Forest”-Algorithmus aus dem Bereich des maschinellen Lernens. Mithilfe von Satellitendaten aus verschiedenen Jahreszeiten entwickelten die Forscherinnen und Forscher ein Modell, das hilft, Streuobstwiesen künftig flächendeckend und automatisiert zu erfassen.
Für das Biodiversitätsmonitoring erfassten die Forscherinnen und Forscher systematisch auf 46 definierten Referenzflächen (je 625 x 625 m) Indikatorgruppen. Insekten erfassten die Projektpartner hier primär über standardisierte systematische Beobachtungen; Vögel und Fledermäuse in einer Kombination aus klassischen Freilandbeobachtungen und Netzfängen mit dem Einsatz von Audiorekordern. Die große Menge an Audioaufnahmen wertete das Team anschließend teils manuell, teils automatisiert durch KI-Software aus.
Ergebnis I: Streuobstwiesen sind ein Paradies für Insekten, Vögel und Fledermäuse
Die Erhebungen belegen die Bedeutung von Streuobst für die Tierwelt: In nur einem Erhebungsjahr wies das Forscherteam auf den Referenzflächen insgesamt 688 Tier- und Pflanzenarten, darunter 321 Insekten-, 23 Fledermaus und 114 Vogelarten, sowie 230 blühende Pflanzenarten nach. Besonders bemerkenswert: Auf den Streuobstflächen finden sich knapp ein Drittel der österreichischen Wildbienen und Tagfalterarten sowie rund die Hälfte aller in Österreich brütenden Vogelarten. Damit wird deutlich, welche wertvollen Lebensräume Streuobstbestände mit ihrer großen Strukturvielfalt, ihren Höhlen und Totholzelementen für seltene und geschützte Arten bieten.
Ergebnis II: Überalterung und mangelnde Pflege bedrohen den Bestand
Der Blick in die Baumkronen trübt das erfreuliche Bild der Artenvielfalt. Die streuobstbaufachliche Kartierung von über 1.170 Streuobstpolygonen zeigt auf, dass der Zustand der Bäume oftmals bescheiden ist. Ganze 63 Prozent der Bäume sind “nicht” oder “mäßig bzw. falsch” gepflegt. Zudem fehlt es massiv an Jungbäumen: Lediglich neun Prozent der Bestände sind jünger als zwanzig Jahre, während 71 Prozent ein mittleres Alter (zwanzig bis sechzig Jahre) und zwanzig Prozent bereits ein Alter von über sechzig Jahren aufweisen. Laut den Expertinnen und Experten ist dieser Anteil an Nachpflanzungen deutlich zu gering, um die Bestände langfristig auch nur auf dem aktuellen Niveau zu erhalten.
Was unsere Streuobstwiesen jetzt brauchen
Die Ergebnisse von DivMoSt bestätigen eindrucksvoll: Streuobstwiesen sind wahre Hotspots der Artenvielfalt. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass ihr Erhalt aktives Handeln erfordert - insbesondere durch fachgerechten Baumschnitt und regelmäßige Nachpflanzungen. Wichtig ist dabei jedoch eine ausgewogene Pflege: Neben Maßnahmen zur Förderung der Baumgesundheit und des Ertrags müssen auch Altbäume und Totholz erhalten bleiben, denn gerade diese Strukturen bilden für viele Arten ein Zuhause und sind für biologische Vielfalt von zentraler Bedeutung.
Die Gesamtstudie
Kratschmer, S.; Milchram, M.; Linhart, S.; Unglaub, P.; Schöll, E.M.; Weis, I.; Immitzer, M.; Suppan, F.; Daryaei, A.; Vuolo, F.; Rosner, F.G.; Staples, M.; Krutzler, M.; Holler, C. (2025): DivMoSt - BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen: Methoden zur bundesweiten Verortung von Streuobstflächen und Erfassung der Biodiversität von Indikatororganismen zur Ergänzung etablierter Biodiversitätsmonitorings in Österreich. Endbericht. 181 Seiten. Online unter: https://boku.ac.at/fileadmin/data/H03000/H83000/H83300/arbeitsgruppen/ag_kratschmer/divmost/Kratschmer_et_al_2025_DivMoSt_Endbericht_Mrz_2026.pdf