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Die Online-Pomologie: Neues vom Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt
Seit nunmehr fünfzehn Jahren gibt es das Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt des Pomologen-Vereins e.V. Der Hauptgrund zur Gründung war die Weitergabe auf Sortenechtheit geprüfter Reiser verschiedener Obstsorten. Daneben gab es von Anfang an die Idee, auch eine moderne online verfügbare Pomologie zu schaffen. Das ging anfangs nur sehr schleppend voran. Inzwischen hat das Projekt aber deutlich Fahrt aufgenommen. Aktuell liegen rund 210 Birnen- und 150 Apfelsortenbeschreibungen vor. Das ist auch im Vergleich mit vielen historischen Pomologien schon eine stattliche Anzahl.
Warum neue Sortenbeschreibungen?
Die Idee war, dass Mitglieder der pomologischen Kommission des Pomologen-Vereins e.V. die Sortenbeschreibungen aus eigener Erfahrung und Anschauung schreiben. In den letzten fünfzig Jahren wurde vieles einfach nur abgeschrieben. Die Anbaubedingungen haben sich jedoch durch den Klimawandel erheblich verändert. Zum Bespiel gelten die, in historischen Werken angegebenen, Reifezeiten heute nicht mehr, sie haben sich stark verkürzt. Der letzte der seine Sortenbeschreibungen komplett aus eigener Anschauung schrieb, war Petzold – im Jahr 1980. Seine Empfehlungen finden sich bis heute in den Baumschulverzeichnissen und Sortenlisten wieder. Etliches davon empfiehlt die Kommission heute aber nicht mehr.
Was ist der Vorteil einer Online-Pomologie?
Der große Vorteil einer Online-Pomologie, wie das Erhalternetzwerk sie hier erstellt, ist, dass das Netzwerk aus Pomologinnen und Pomologen jederzeit Ergänzungen vornehmen kann. Es sind bereits etliche Beschreibungen überarbeitet. Außerdem haben Interessierte die Möglichkeit, auf die Sortenportraits ungehindert online zuzugreifen.
Herkunft und Verbreitung der Sorte
Neben der Fruchtbeschreibung legt das Erhalternetzwerk Wert darauf, auch die Historie einer Sorte durch gründliche Recherche abzuklären. Dabei gehen die Mitglieder grundsätzlich von der Erstbeschreibung aus - auch und gerade, wenn es sich um eine nicht in Deutschland entstandene Sorte handelt. Neben der Herkunft versucht das Netzwerk auch die Verbreitung zu erläutern, was nicht immer einfach ist. Es gibt keinen Überblick über die Vorkommen aller Sorten in Deutschland. Außerdem kennt das Erhalternetzwerk nicht alle Vorkommen.
Frucht und Baumbeschreibung
In der Fruchtbeschreibung stellt das Netzwerk die wesentlichen Merkmale dar und verwendet dazu zusätzlich eine Vielzahl an Fotos. Daran anschließend folgt eine Beschreibung von Baummerkmalen, soweit sie bekannt sind. Meyer und seinen Kolleginnen und Kollegen ist klar, dass sie keine vollständigen Informationen bieten können. Um das zu erreichen, braucht es die Beobachtung von mehreren Bäumen über viele Jahre, was kaum leistbar ist oder in der Konsequenz zur nicht Veröffentlichung führt. Dasselbe gilt für die Anbaueignung. Auch da fehlen oft Erfahrungen. Meyer nennt ein Beispiel: „Ich werde immer mal wieder gefragt, welche Sorten für Höhenlagen geeignet sind. Was soll ich dazu als Mecklenburger sagen?“. Das Netzwerk ist also auch auf Informationen von Dritten angewiesen. Dabei verlässt es sich hauptsächlich auf die Infos von Erhaltern im Netzwerk, die echt geprüfte Sorten haben.
Warum nur auf Echtheit überprüfte Sorten für die Erfahrung heranziehen?
Leserinnen und Leser der Streuobst-News wundern sich vielleicht darüber, dass das Erhalternetzwerk den Kreis einengt, in dem es nur auf Echtheit geprüfte Sorten heranzieht. Die Erfahrung bei der Überprüfung von Sorten auf Echtheit zeigt, dass zwanzig bis dreißig Prozent dessen, was Baumschulen liefern, den falschen Namen trägt.
Was ist, wenn im Netzwerk keine Erfahrungen zu einer Sorte vorhanden sind?
Da Meyer und seinem Team keine eigenen Erfahrungen vorliegen, versuchen sie diese aus der historischen Literatur zu ergänzen. Dabei werden die entsprechenden Quellen genannt. Diese sind im abschließenden kurzen Literaturverzeichnis gelistet, neben Quellen, die die jeweilige Sorte möglichst treffend abbilden und beschreiben.
Kennzeichnende Symbole
Ergänzt sei noch, dass durch farbige Fruchtsymbole, der Gefährdungsgrad einer Sorte angezeigt wird. Dabei handelt es sich um eine subjektive Einschätzung der Autoren. Eine Kennzeichnung mit einem R bezeichnet Regionalsorten.
Kontakt und weitere Informationen
Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt beim Pomologen-Verein e.V.
Jens Meyer – Koordinator für Apfelsorten
meyer-kuhlrade@t-online.de
Die Sortenbeschreibungen finden sich hier, im Menü unter Sortenbeschreibungen kann zwischen den Obstarten Apfel, Birne und Kirsche gewählt werden. Viel Spaß beim Stöbern.
Weitere Informationen zum Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt gibt es hier.